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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
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thätige Znsektenheer der Pollen der einen Art auf das Pistill derandern gebracht und dadurch die Veranlassung zur Erzeugungmancher Bastardformen gegeben wird, welche nie im Freien, wodie verschiedenen Pflanzenarten vielleicht weit auseinander wachsen,entstanden waren. Viele solcher Bastardsormen werden fernerfortwährend von den Gärtnern, in der Absicht die Zahl ihrerSchmuckpflanzen zu vermehren, durch künstliche Befruchtung er-zeugt, und so gibt es jczt schon eine Menge von Pflanzenformen,

. die nirgends wild wachsen und kein eigentliches Vaterland haben,da sie ihre Entstehung nur den Gärten verdanken. Die Zahlsolcher Bastardmischungcn droht sich aber in der Folge immernoch zu vermehren, so daß man später nicht mehr im Standeseyn wird, bei gewissen Gattungen, wie bei Pelargonien, Cac-teen und Passifloren, in den Gärten die ursprünglich einge-führten Arten aus dem Schwalle der hybriden Formen heraus-zufinden , fllnd so werden ohne Zweifel auch in unsern Floren undSystemen eine Menge vermeintlich neuer Arten ohne Vater-land auftauchen, wie es deren jezt schon eine nicht geringeAnzahl gibt.

Aus allem hier Vorgetragenen ergibt sich indessen, wie innigdie Geschichte der Pflanzen mit der Geschichte der Erde und ihrerBewohner verknüpft ist, welchen großen Einfluß die Veränderun-gen, so die Vegetation der verschiedenen Länder in der Zeztwelterlitten, nicht nur auf die klimatischen Verhältnisse der Erdober-fläche, sondern besonders auch auf die menschliche Gesellschaft, hin-sichtlich der Lebensweise, der Sitten und Gebräuche, des Acker-baues, des Handels, der Gewerbe u. s. w. ausgeübt haben undnoch fortwährend äußern, wodurch sich zugleich die Wichtigkeitdieses Zweiges der Pflanzenkunde, namentlich auch für den Ge-schichtsforscher, herausstellt.

Literatur zur Geschichte der Pflanzen.

§. 296 .

Wir besitzen keine Schriften, welche sich blos mit der Ge-schichte der Pflanzen befassen, oder dieselbe in ihrem ganzen Um-fange ausführlicher behandeln; sondern sie ist bald mit andernhistorischen Gegenständen verwebt, bald nur theilweise in einzelne»

Bislhvff, Botanik, u. Bandes r. Thl. 14