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ursprüngliche Abstammung aller Pflanzensormcn die genügendenNachwcisungcn besaßen, so wäre uns darin die sichere Grundlagefür die Artcnbildung gegeben; da dieses aber bei den allermeistennicht der Fall ist, so lassen sich die aus dieser Abstammung herge-leiteten Regeln znr Aufstellung der Arten nur in soweit befolgen,als wir nach den uns bekannt gewordenen Thatsachen mit mehroder weniger Wahrscheinlichkeit über die Abstammung oder denUrsprung der Pflanzen zu urtheilen vermögen.
Wenn, wl^ die Geschichte der Pflanzen uns mit Grund ver-muthen läßt, ursprünglich von jeder Art eine größere Anzahl vonIndividuen an verschiedenen Orten, wo dieselben Bedingungen zuihrer Entstehung eintraten, zugleich erzeugt wurden, so läßt sichauch annehmen, daß dabei dennoch nicht überall die völlig gleichenVerhältnisse obgewaltet haben, und daß daraus schon ursprünglichgewisse, wenn aucb nur geringe Unterschiede bei den Pflanzen ei-ner Art hervorgehen konnten, die sich bis auf unsere Zeiten fort-gepflanzt haben, und die man nun, wegen ihrer Beständigkeit oftals Merkmale verschiedener Arten zu betrachten geneigt ist.In solchen Fällen, wo es wahrscheinlich wird, daß bei den For-men einer Art eine ursprüngliche Verschiedenheit statt finde, möchtees am geeignetsten seyn, dieselben als Bei arten (Lonspsvies)zu betrachten» weil sie sich nicht sowohl im Verhältnisse der Un-terordnung (subvrdinirt), sondern vielmehr nur als beigeordnet(coordinirt) darstellen lassen oder mit andern Worten, weil manbei solchen Formen nicht mit Bestimmtheit anzugeben vermag,welche als die ursprüngliche, und welche als die davon ausgegan-gene Bildung gelten soll. Besonders scheint diese Bezcichnungs-wcise dann nöthig, wenn dergleichen verwandte Formen noch durchgewisse Mittel- oder Uebergangsformen verbunden werden.Als Beispiele können das gemeine Stiefmütterchen (Violatrieolov der meisten Schriftsteller) und das Ackerveilchen(Viola arvensis ü/urraz/.) dienen, von welchen das erstere durchgrößere, dunkler gefärbte Blumen von dem andern verschieden, im Bauder übrigen Theile demselben aber so ähnlich ist, daß man beide wohlnur als Beiarten betrachten kann, weil diese zwei Formen im wildenZustande vorkommen, und man nicht sagen kann, daß die eine durchAusartung aus der andern entstanden sey; daß aber beide zu ei-ner Art gehören, beweist eine zuweilen vorkommende Uebergangsform