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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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(das mitte lständige Stiefmütterchen Mert. u. Koch),deren Blume das Mittel zwischen beiden Beiarten hält, und sodieselben miteinander verknüpft.

Nun gibt es aber auch viele Pflanzcnarten, von welchen imLaufe der Zeit unter gewissen Umständen abweichende Formen sicherzeugt haben oder auch gegenwärtig unter unsern Augen noch-entstehe», und die sich zum Theil sogar durch Samen fortpflanzen.Hier haben wir dann die ursprüngliche Form, wenn diese nochbekannt ist, als Urart oder Stammart (8>,eoies primitiv»)von den durch Ausartung entstandenen Formen oder den Abar-ten und Spielarten (Vorletztes) zu unterscheide»*). SolcheAbweichungen von der ursprünglichen Bildung können an allenTheilen der Pflanzen vorkommen und sich nicht blos auf Farbe,Geruch und Geschmack, sondern auch aus Größe, Zahl, Gestaltund Uebcrzug der Theile, so wie auf Blüthczcit, Fruchtreife und

*) Zwischen Abarten und Spielarten oder Varietäten wirdgewöhnlich kein Unterschied gemacht. Bernhardt (Ueber denBegriff der Pflanzenart-und seine Anwendung. Er-furt 1854, S. 4> bezeichnet aber die Abarten als Veränderun-gen, die zum Theil durch Samen fortgepflanzt werden, und keineNeigung zeigen, wieder in die ursprüngliche Form zurückzugehen;Spiel arte n nennt er dagegen diejenigen Ausartungen, welche beider Aussaat Neigung zeigen, allmäliger oder schneller ihre ur-sprüngliche Form und Natur wieder anzunehmen, jedoch so, daßnicht sogleich nach der ersten Aussaat, sondern erst nach mehrerenGenerationen die Charaktere der Ausartung abgelegt werden. Ab-weichungen , welche sich bei der Aussaat gar nicht oder doch nurin einem gewissen Boden erhalten, unterscheidet Bernhardtnoch als Abänderungen. Diese Unterscheidungen bieten aberin der Anwendung manche Schwierigkeiten dar, weil man nicht im-mer im Stande ist, die Beständigkeit oder Unbeständigkeit derAusartungen durch die Aussaat zu prüfen. De Candoll«(llieorie elsmentsire <Ie I» Lotanigu« zr. 20Z, 204) nimmt selbstzweierlei beständige Ausartungen an, nämlich die eigentlichenVarietäten oder diejenigen, die sich bei der Vermehrung(durch Impfung, Stecklinge u. Ableger) unverändert erhalten, unddie Racen oder die bei der Aussaat beständigen Varietäten,die er als erbliche Ausartungen betrachtet. Davon unterscheideter die Abänderungen (Variationen) oder die örtlichenVarietäten etwa in dem Sinne, wie sie von B e r nb a r d iangenommen werden.