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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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so deutlich ausgesprochen ist, daß sie selbst von dem weniger Ge-übten nicht übersehen werden kann.

Es gibt jedoch auch Familien, in welchen bei der Ueberein-stimmung der Blüthen- und Fruchtbildung eine große Verschie-denheit in der Tracht vorkommt, wie bei den Euphorbiaecen.In andern, z. B. in den Familien derRosaccen und Nanun-cnlaceen, sehen wir, neben einem verschiedenen Habitus, aucheinen scheinbaren Wechsel im Bau der Fortpfianzungsorganc ein-treten; in diesem Falle muß uns die aufmerksame Verfolgungdes Mctamvrphvscnganges der einzelnen Blüthen- und Frucht-' theile, so wie die Beachtung ihrer ursprünglichen Symmetrie lei-ten, um die natürliche Verwandtschaft, trotz den zahlreichen Ab-änderungen der Form- und Richtungsverhältnisse dieser Theile,zu erkennen, wie dann überhaupt die genauere Kenntniß derPflanzenmctamorphose und die richtige Einsicht in das Ebenmaßder Theile die erste Grundlage zur Aufstellung und Aneinander-reihung der Familien, und den sichersten Prüfstein für derenWerth abgeben. Denn innerhalb der Grenzen einer Familie kön-nen alle Organe der dazu gehörigen Arten auf mannichfache Weisein Form, Richtung und Zahl abändern, wobei aber doch gewisseStufen nicht überschritten werden und der Familicntypus nichtverloren geht, der sich eben darum nur nach den Gesehen derMetamorphose und Symmetrie im Allgemeinen richtig beurthei-len läßt.

Der Familiencharakter beruht also nicht, wie der Charakterder Gattungen, auf der Uebereinstimmung einzelner Organe (derBlüthen und Frucht), sondern wird durch eine allgemeine Analo-gie in dem Verhältnisse der vegetativen Organe zur Blüthen-und Fruchtbildung bestimmt. Je mannichfaltiger die gegenseiti-gen Verhältnisse aller Organe und je zahlreicher die Stufen ihrerMetamorphose sind, desto vielgestaltiger und abweichender er-scheinen die Gattungen einer Familie, wie eben bei den Rosa-ceen und Ranuneulaceen; je gleichförmiger jene Verhältnisseund je geringer die Umwandlungsstufcn, desto ähnlicher sind dieGattungen, wie man unter andern in den Familien der Kreuz-blüthigen, Doldenpflanzen und Gräser sieht. Mit derVeränderung des Verhältnisses der Vegetativnöorgane zu den Fort-pflanzungsorganen entstehen andere Familientypen. So ist der