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diesem Sammeln von Erfahrungen oder Beobachtungen der empirischeTheil der Wissenschaft, so steht ihm gegenüber der spekulative Theil derphysikalischen Geographie, welcher die Ergebnisse jenes ersten Theils zu-sammenstellt, sie mit einander vergleicht, wissenschaftlich ordnet und Re-sultate daraus zieht, welche zu einer Theorie der beobachteten Erscheinungenführen und die Anstellung neüer Beobachtungen veranlassen. Kaum be-darf es der Erwähnung, daß die beiden genannten Zweige nicht von ein-ander getrennt werden können, ohne den Zweck des Ganzen zu gefährden.Spekulationen, welche man anstellt, ohne sich auf Erfahrungen zu grün-den und sie stets in ihrem Fortgange zu Rathe zu ziehen, können demrichtigen Begreifen der Natur eben so wenig förderlich und heilbringendsein, als das einseitige Haufen von Erfahrungen, über deren Bedeütungund Zusammenhang wir nicht durch theoretische Ansichten und Verglei-chungen unterrichtet werden; letztere sind ohne leitende Idee gar nichtdenkbar, und dieser können wir keinen Werth zugestehen, wenn sie nichtauf erstere gegründet ist. Eine spekulative physische Erdbeschreibung, diewir vielleicht eine Theorie der Erde nennen dürfen, läßt sich als voll-endet betrachten, wenn die Erklärungen von den einzelnen Lebensaüße-rnngen der Erde mit allen Modifikationen der beobachteten Erscheinungenübereinstimmen. Gleichwol bleiben diese.Erklärungen, strenge genommen,immer nur Wagesätze, und sie erzwingen sich einen Grad von Ge-wißheit nur durch die Summe der Ähnlichkeiten, welche die in unsernErklärungen gegebenen Vorstellungen mit andern Natur-Erscheinungenhaben, die wir durch Versuche kennen zu lernen bemüht sind. Als Herschelan den aüßersten Enden der Planeten-Welt ein neües Gestirn entdeckthatte, berechnete Delambre, obwol es noch nicht den zehnten Theilseines Laufes beschrieben, Tafeln von der Bewegung dieses Planeten; undwunderbar, die Berechnung traf mit der Beobachtung auf'ö Genauestezu! Dürfen wir Ähnliches von den Entdeckungen sagen, die im Gebieteder physikalischen Erdbeschreibung gemacht werden! Wol kann es aufden ersten Blick sonderbar erscheinen, daß wir seit Jahrhunderten imStande sind, die Begebenheiten, welche im unendlichen Welträume ihrenSchauplatz haben, zu beurtheilen und den Zustand des Himmels für einenbestimmten Augenblick der fernsten Vergangenheit und der dunkelsten Zukunftaufs Genaueste zu bestimmen; während wir bei den Erscheinungen, die unsauf dem Felde der physischen Geographie so nahe liegen, kaum im Vor-hofe der Wissenschaft stehen und nur dunkel ahnen, was unserm geistigenAuge noch verschleiert ist. Aber jene astronomischen Untersuchungen wer-den von keiner irrigen Hypothese geleitet; sie stutzen sich auf die nimm-