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Erster Band.
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den ganzen Erdkörper, den Inbegriff des ganzen Planeten, mit Allem,was ihn zunächst umgiebt und von ihm abhängig ist; oder wir verstehennur den festen rigiden Theil seiner Masse (von dem chemischen BegriffErde kann hierbei nicht die Rede sein), oder gar nur seine starre Oberfläche,das Festland. Die physikalische Geographie aber nimmt den Begriff desErdkörpers in seiner erstem, umfassenderen Bedeütung; sie hat es nichtallein mit dem festen Lande, sondern auch mit dem Meere und derAtmosphäre zu thun, mit Allem, was darauf und darin lebt und webt, inso fern es sich um eine Kenntniß der Verbreitung der Körper handelt;sie ist so großartig, manchsaltig und herrlich, als der Gegenstand ihrerBetrachtung, und muß uns eine Aufforderung mehr sein, die AllmachtGottes, Seine Allweisheit und Allgüte in Seinen Wunderwerken zu ver-ehren, den Schöpfer anzubeten.

Betrachten wir die Lebens-Erscheinungen des Erdkörpers in seinerganzen Vollendung, so leuchtet es ein, daß wir ihn hauptsächlich vonzwei Seiten auffassen können: l) Als ein selbstständiges Ganze, als einenin sich abgeschlossenen Organismus, als ein Individuum; oder 2) alsTheil eines größern Ganzen, als Glied in einer Kette planetarischer Indi-viduen, als einen Theil des Sonnen-Systems. Die erste Betrachtungs-weise ist es eigentlich, welche man der physikalischen Erdbeschreibung alleinaufzubehalten pflegt; indem man die zweite als einen Zweig der physischenAstronomie anfleht, bei welcher sie folgerechter für den Zweck der Be-trachtung mit eingereiht wird. Wir werden daher auch diesen zweiten Ge-sichtspunkt nur kurz berühren, indem wir zu seiner nähern Erkenntniß aufein treffliches Werk von Littrow verweisen können °^).

Wenn wir in der Naturlehre beim Einsammeln von Erfahrungenüber die Kräfte und Eigenschaften der Körper Versuche anstellen, d. h. dieKörper in einen veränderten, gleichsam unnatürlichen Zustand versetzen,um ihre Wirkungen zu beobachten, welche sie während ihres Verharrensin demselben ausüben; so fällt diese Art des Einsammelns von Erfah-rungen in der physikalischen Erdbeschreibung weg, weil wir selbst inte-grirende Theile des Planeten sind, und wir uns nicht außerhalb desselbenversetzen und ihn künstlichen, veränderten Bedingungen unterwerfenkönnen; wir bleiben demnach bei dem Einsammeln von Erfahrungenauf Beobachtungen beschränkt, die uns den Erdkörper in seinem natür-lichen Daseyn zeigen, ohne seinen Zustand zu verändern. Besteht in

») Die Wunder des Himmels, oder gemeiufafiliche Darstellung des Weltsystems.Bon I. I. Littrow. 3 Bände. Stuttgart. 183436.