Eudoxos eine bestimmte Ansicht über die Gestalt der Erde gegen seineZeitgenossen ausgesprochen habe, so läßt es sich doch kaum bezweifeln,daß durch seine Beobachtungen die Ansicht von der Kugelgestalt der Erdefrüher begründet wurde, als durch die Vernunftschlüsse des Aristoteles,welche von den Erscheinungen der Schwerkraft entlehnt sind und gleichsamnur als eine Bekräftigung der unmittelbaren Wahrnehmung betrachtetwerden müssen. „Da das Wasser, sagt Aristoteles, stets die niedrigste,d. i. die dem Mittelpunkt der Erde nächste, Stelle sucht, so kann es inkeinem Theile des Meeres höher oder vom Mittelpunkte entfernter, als indem andern, stehen; es würde sonst von den höhen: Theilen ab und solange gegen die niedrigern fließen, bis es überall eine gleiche Höhe, d. i.einen gleichen Abstand vom Mittelpunkte erlangt hätte. So folgt, daßalle Stellen des Meeres von einem gemeinschaftlichen Mittelpunkte gleichweit entfernt sind, welches bei keinem andern Körper, als bei einem kugel-ähnlichen, gedacht werden kann." Von da an herrscht also die Ueberzeü-gung von der sphärischen Gestalt der Erde, aber sie verliert sich wiedermit dem allgemeinen Verfall der Wissenschaften, dergestalt, daß z. B.im achten Jahrhundert ein Bischof von Salzburg seiner geistlichen Würdeentsetzt wurde, weil er Antipoden lehrte; und erst in neüern Zeiten istdieser Gegenstand von einem echt wissenschaftlichen Standpunkte behandeltworden, als ein tieferes Eindringen in die Kenntniß der Naturkräftezeigte, daß diese die Kugelgestalt der Erde modificiren mußten.
Zum Beweise der sphärischen Gestalt führt man die Mondfinsternissean. Denn bei diesen Himmelsbegebenheiten geht der Mond durch einenrunden Schatten, und da die Astronomie lehrt, daß dies der Schatten derErde sei, welcher alsdann der Sonne gerade gegenüber auf den Mondfällt*und nur eine Kugel in alten möglichen Stellungen gegen das Lichteinen kreisförmigen Schatten werfen kann, so wird die Frage durch denAugenschein entschieden. Wol konnte man hierbei auch an einen Cylinderdenken, allein es müßte stets etwas gezwungen erscheinen, dieser walzen-förmigen Erde die zu einem runden Schatten erforderliche Richtung beizu-legen. Einen andern Beweis liefert Las allmälige Emporkommen undVerschwinden der irdischen Gegenstände, nach welcher Richtung man sichauch auf der Erde bewegt; eine Erscheinung, welche ohne Annahme einergewölbten Gestalt der Erdoberfläche nicht genügend erklärt werden kann.Wollte man auf dem Lande dazu sich vielleicht des Auswegs bedienen,verdeckende Unebenheiten als den Grund derselben anzusehen, so fälltdieser dagegen auf der Meeresfläche weg, wo gerade diese Erscheinungausgezeichneter in's Auge fällt als sonstwo. Unmittelbar mit derselben