Band 
Erster Band.
Seite
79
JPEG-Download
 

79

Erscheinungen unter andern Meridianen angestellt werden, als Elementznr Längenbestimmung zu dienen. Sind wir daher im Stande, die Zeitanzugeben, in welcher einer der Trabanten in den Schatten des Planetenein- oder austritt, mithin den Anfang oder das Ende der Verfinsterungzu bestimmen, so kennen wir die Longitudo des Meridians, unter welchemdie Beobachtung gemacht wurde. In Calcutta, in Indien, beobachteteman am 27. Februar 1823 den Austritt des ersten Trabanten um 8 Uhr44 Min. 49 Sek. mittlerer Zeit; in Paris erfolgte aber das Ende derVerfinsterung, nach dem astronomischen Kalender, um 3 Uhr 0 Min. 47Sek.; demnach ist der Zeitunterschied 5 St. 44' 2", und die Longitudovon Calcutta 86° »' 30" östlich von Paris. Wäre die Verfinsterung inParis ebenfalls beobachtet worden, so unterliegt es keinem Zweifel, daßsich ein genaueres Resultat ergeben haben würde, weil bei aller Annähe-rung an die Wahrheit, die Vorherverkündigungen jener Phänomene vonder unmittelbaren Wahrnehmung doch noch mehr oder minder abzuweichenpflegen. So schätzbar diese Methode der Längenbestimmung auch ist, sodarf es anderer Seits nicht verhehlt werden, daß zur Erlangung einesmöglichst genauen Resultats eine lange Reihe von Beobachtungen erfor-derlich ist, damit die Irrthümer möglichst eliminirt werden, welche bei dergenauen Zeitbestimmung des Phänomens fast unvermeidlich sind. Eskommt bei Beobachtung der Finsternisse dieser kleinen Gestirne alles aufein scharfes Sehen, mithin auch auf die Güte des Fernrohrs an; und esereignet sich nicht selten, daß zwei Beobachter, welche neben einanderstehen, um den Eintritt des ersten Trabanten zu beobachten, aber Teles-kope von verschiedener Kraft gebrauchen, über den Moment, wo er Stattfand, um fünfzehn bis zwanzig Sekunden abweichender Meinung sein kön-nen. Da indessen die Verfinsterungen der Jupiters-Monde so schnell aufeinander folgen, so kann ein Beobachter binnen verhältnißmäßig kurzerZeit eine lange Reihe von Wahrnehmungen sammeln, bei denen er voraus-zusetzen berechtigt zu sein scheint, daß die unvermeidlichen Irrthümer baldauf der einen, bald auf der andern Seite liegen, und demnach in demMittelwerthe der Längenbestimmung sich ausgleichen werden. Endlich istnoch anzumerken, daß diese Methode nur zu Lande anzuwenden ist; dennauf der See macht die Bewegung des Schiffes es fast unmöglich, ein Te-leskop so fest auf den Jupiter zu richten, als zur Beobachtung der Ver-finsterung eines seiner Trabanten erforderlich ist.

Andere Himmelsbegebenheiten, welche zur Längenbestimmung benütztwerden können, sind die Mondfinsternisse, nach ihrem Anfang und Ende,nach dem Ein- und Austritte der Mondflecken in und aus dem Erdschatten;