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Begriff von Wärme und Kälte sehr relativ, da unsere Nerven jedes Ge-fühl nur nach dem unmittelbar vorhergegangenen beurtheilen. Wir, diewir in der gemäßigten Zone leben, nennen, nach Gehler'S Ausdruck, dieLuft warm, wenn ihre Wärme größer ist als die Wärme der äußernTheile unseres Körpers, kalt, wenn sie geringer ist. Die gemäßigte Tem-peratur, bei der ein gesunder Mensch, dessen Körper in Ruhe ist, die Lustweder warm noch kalt findet, läßt sich in unsern Gegenden etwa bei 12'//annehmen. Eine Temperatur von ungefähr 22° werden wir mithin schonrecht warm finden, denn sie drückt die Mittelwärme von Berlin in derMittagsstunde des Juli-Monats aus, und dennoch konnte A. von Hum-boldt auf seiner Reise in Südamerika bei diesem Thermometerstande vorKälte nicht schlafen. In Beziehung auf das thermometrische Verhältniß-Maaß nennen wir die Luft warm, wenn sich die Quecksiibersaüle über demNullpunkte bewegt, kalt aber, wenn diese Bewegung unter demselben er-folgt, und bezeichnen die Wärme mit dem Plus-, die Kälte mit demMinus-Zeichen.
Die Hauptquelle der Wärme ist die Sonne. Die von ihr nach allenRichtungen ausgehenden heißen Strahlen führen dieses unentbehrlicheLebensbedürfuiß der Erde zu; ein Theil davon wird während des Durch-gangs von der Luft aufgesaugt, und zwar ein um so größerer Theil, jedichter die Luft ist, welche die Strahlen durchschneiden. Ein anderer Theilder Wärme wird der Luft von der Erde durch die Abprallung und Aus-dünstung mitgetheilt. Aber außer dieser Wärme giebt es noch eine an-dere der Erde eigenthümliche Wärme, die aus dem Innern derselben her-kommt, denn die Erfahrung lehrt, daß, je tiefer wir in die Erde graben,desto höher die Temperatur werde. Diese Wärme steht jedoch mit dervon der Sonne herrührenden Wärme in keinem Verhältniß und kannan der Oberfläche der Erde für Null angenommen werden, so daß ohneSonneuwärme alles Leben auf der Oberfläche erstarren würde. Wirhaben daher die Temperatur in viererlei Arten zu unterscheiden:
I) Die Temperatur der Atmosphäre; 2) die der Erdoberfläche; 3) dieder Erdrinde; und 4) die Temperatur des Innern der Erde.
Die beiden ersten dieser vier Gesichtspunkte, unter denen man dieWärmevertheilnng betrachten kann, hangen so innig mit einander zusam-men, daß sie nicht wol getrennt werden können, wahrend die Temperaturder Erdkruste von dem Einfluß der Sonnenstrahlen, der Luft und deruntern Erdschichten bedingt wird, und nur die Temperatur des Innern,von einer eigenthümlichen Ursache herrührend, als selbstständig betrachtetwerden kann. In dem gegenwärtigen Kapitel haben wir aber nur die