Band 
Erster Band.
Seite
193
JPEG-Download
 

193

auch die Erwärmung sein. Es muß sich daher nothwendiger Weise einedichtere und mit undurchsichtigen Theilchen stärker beladene Luft durcheine gleiche Einwirkung der Sonnenstrahlen bei weitem stärker erhitzenals eine dünnere und durchsichtigere; und dies Verhältniß allein machtes daher schon nothwendig, daß aus den Bergen mit zunehmender Höhedie Luftwärme stets in abnehmendem Verhältnisse stehen müsse. Alleines kommt hier noch ein anderes Verhältniß hinzu, das den Unterschiedder Wärme in den hohem und niedern Luftschichten bei weitem bedeuten-der machen muß. Es empfängt nämlich die Masse der Luft ihre Wärmenicht allein von der direkten Wirkung der Sonnenstrahlen, sondern ebenso sehr durch die Mittheilung der Wärme von der zunächst mit ihr imKontakt stehenden Erdoberfläche; diese aber wird als ein viel dichtererund undurchsichtigerer Körper eines viel hohem Grades der Erhitzungfähig sein und ihre Wärme der kühlern Luft in um so größerem Maaßemittheilen, je wärmer sie selbst ist. Dieser Einfluß aber muß gleichfallsin den niedern Luftschichten bei weitem großer sein als in den obern;denn jene stehen mit der ganzen Erdoberfläche in ununterbrochener Berüh-rung; diese dagegen nur mit einzelnen Theilen derselben, den isolirtenBerggipfeln, welche, je höher sie sind, auch desto weniger Masse besitzen,und daher auch stets um so weniger Wärme mitzutheilen im Stande sind.Zugleich wird das Aufsteigen der erwärmten und dadurch leichter gewor-denen Luft in die hohem Regionen noch mit dazu beitragen, die Tempe-ratur derselben zu erniedrigen, denn sie wird sich in hohem Maaße aus-dehnen, oder verdünnen, je mehr sie in die Höhe tritt; und wenn Körpersich ausdehnen, so binden sie ein gewisses Quantum Wärme, welches zuihrem Bestehen im verdünnten Zustande erforderlich ist, und dieses mußden umgebenden Luftschichten enzogen werden.

Wäre die Erde, sagt A. von Humboldt, nicht mit einer Mengungelastischer und luftförmiger Flüssigkeiten umgeben, so würde es. in einerHöhe von 30ülU nicht merklich kälter als an der Meercsfläche sein. Unterdieser Voraussetzung würde, weil jeder Punkt der Erdoberfläche nach allenRichtungen strahlte, der innere Theil einer auf der Spitze der höchstemBerge ruhenden sphärischen Hülle dasselbe Quantum strahlender Wärmeempfangen, als die untern Schichten der Atmosphäre. Sobald wir aberdie Erde von einem luftförmigen Fluidum umgeben betrachten, tritt dieAbnahme der Temperatur ein.

Die folgende Übersicht enthält die Resultate der Beobachtungen, welcheHr. von Humboldt in der Nähe des Äquators, auf den Andes von Quitound gegen den Nvrdrand der heißen Zone in den Cordilleren von Mejiko,

Berghaus, Bd. I- 13