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Erster Band.
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Beim Glätscher des Antisana stehen wir bereits innerhalb des inlothrechtem Sinne gezogenen Gürtels, wo die Natur der Bewohnbarkeitdes Erdbodens für Menschen eine unübersteigliche Schranke aufgebaut hat;wir haben uns in die Schneeregion erhoben, deren untere Gränze in denverschiedenen, wagerechten Erdzonen jetzt nachzuweisen ist. Da die Wärmevom Äquator nach den Polen abnimmt, so ist es an sich klar, daß dieHöhe dieser Gränze über der Meeresfläche mit der wachsenden Latitudoeine andere sein müsse; allein mau würde sehr irren, wenn man anneh-men wollte, daß sie sich der Latitudo, oder richtiger, der mittlern Jahres-temperatur eines gegebenen Parallelkreises proportional zeige. Dieswürde eine regelmäßige Abnahme der Wärme im senkrechten Sinne vor-aussetzen; wie wenig wir aber zu dieser Voraussetzung berechtigt sind,geht aus dem Vorigen zur Genüge hervor. Demnächst lehrt auch dieunmittelbare Erfahrung ein großes Schwanken der untern Gränze desewigen Schnee's, nicht allein bei großen Abständen auf gleichen Parallel-kreisen, sondern auch auf kleinen Raümen, die einander dicht benachbartsind; und es ist daher nur ein, freilich aus einige theoretische Betrachtun-gen gestütztes Spiel der Phantasie, wenn man für diesen oder jenen Pa-rallel die Hohe der Schneelinie in bestimmtem Zahlenwerth angeben will,wo jede Gelegenheit fehlt, diese nach Raum und Zeit schwankende Kon-stante durch Beobachtungen zu beglaubigen. Die Erdbeschreibung verlangtnicht derartige Spekulationen» sondern Thatsachen, die sich auf unmittel-bare Wahrnehmung gründen; auch liegt es ihr ob, die Ursachen derPhänomene nachzuspüren, während die Physik sich bemüht, die Gesetze der-selben aufzusuchen und festzustellen, falls die Erscheinungen von der Artsind, daß sie, nach dem Zustande unsers Wissens, unter eine allgemeineNorm gebracht werden können. Eine Schneelinie, sagt ein unbefangenerBeobachter der skandinavischen Natur, nach allgemeinen Ansichten gefertigt,giebt es gar nicht, und selbst auf ein gegebenes Land berechnet, möchtesie wol zu einer Wellenlinie werden, deren wechselnde Beügungen nurzufolge sehr genauer Untersuchungen angegeben werden können. Die Kurvedes ewigen Schnee's, bemerkt A. von Humboldt (den wir hier abermalszum Hauptführer nehmen müssen), ist nicht eine Jsotherm-Linie, sie drücktweder den Gefrierpunkt aus, wie man es ehedem unbestimmt annahm,noch eine Luftschicht von gleicher Mittel-Temperatur. Diese mittlere Tem-peratur der Lust beträgt am Chimborazo (Lat. 1° 28' S.), da wo derSchnee anfängt, das ganze Jahr hindurch liegen zu bleiben, -st l °,4 (höch-stens -st 1°,?); auf der Sierra Newada in Spanien (Lat. 37° iv' N.)— v°,t) am St. Gotthard in den Schweizer-Alpen (Lat. 46° 36') — 3°,?;