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Erster Band.
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Reift vom Kap der guten Hoffnung nach Neüholland für geeignet hält.Als er sich dem Kap Leenwin näherte, war die Strömung drei Tage zu-vor nach N. 12" W. 27'" täglich gelaufen; im Angesicht des Landes aberfloß sie nach N. 47" O. mit einer Geschwindigkeit von 22'" in vierund-zwanzig Stunden.

Nach den Erfahrungen von Flinders spaltet sich am Kap Leeuwin dieStrömung in zwei Stromgänge, von denen der eine nördlich längs derWestküste von Neüholland und der andere östlich längs der Südküstedieser kontinentalen Insel fließt. Im Mai und December fand er zwi-schen dem genannten Kap und dem König Georgs-Sund eine Geschwin-digkeit von 27'" täglich; sie nahm aber weiter östlich bis auf 16 und,13«ab.

In der Mitte des Indischen Meeres, bei den Tschagvs-Jnftln, lau-fen die Strömungen von der Mitte Mai bis zum Oktober, zu welcherZeit der Südoft-Passat hier in seiner Kraft weht, beständig nach N.W.mit einer Geschwindigkeit von 15'" in 24^'. Im November werden sieschwächer und folgen dem Luftstrom, der von jetzt an veränderlich wird;zuweilen laufen sie alsdann nach Osten, in welcher Richtung, im MonatDecember, eine Geschwindigkeit von 30« innerhalb vierundzwanzig Stun-den beobachtet worden ist.

Die Runde um die Erde auf ihrem flüssigen, oceanischen Elementist vollendet! Vom Südrande Afrika's ausgehend sind wir dahin zurück-gekehrt; wir haben die Strombewegungen des Meeres in allen seinenTheilen, nach allen ihren Gesichtspunkten, kennen gelernt und gefunden,daß die Stromgänge des Atlantischen Oceans und der längs der West-küste von Südamerika fließende Strom kalten Wassers, Dank sei es denForschungen James Rennell'ö und A. von Humboldt's, aus dem Dunkel,welches sie früher umhüllte, mit einer Bestimmtheit hervortreten, welchewenig zu wünschen übrig läßt.

So bieten die oceanischen Flüsse," heißt es am Schluß von Hrn.von Humboldt's Denkschrift,indem sie die Temperatur einer Zonein die andere tragen, die alte Verbreitung der Menschen-Racen und denHandelsverkehr der gesitteten Völker bald befördern, bald stören, vonruhenden Wasserschichten uferartig umgeben, aber diese Ufer nach demWechsel der Jahreszeiten erweiternd oder verlassend, der physischen Erd-beschreibung einen neüen und unermeßlich reichen Stoff der Untersuchungdar. Die manchfaltigsten Ursachen, einzeln wirkend oder sich gegenseitigmodificirend, beherrschen dies rastlose Treiben (nach Gleichgewicht-Streben)der flüssigen Oberfläche unseres Planeten. Die Meeresströmungen werdenbelebt durch anhaltend wehende Winde, Verschiedenheiten der specifischen