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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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Dünndarindrüsen.

Die Flüssigkeit der in den Pflanzenfressern stärker entwickelten Brun-ner'schen Drüsen besitzt nach Middeldorpf keine Lösungskräftefür Eiweißwürfel oder Fleischmassen, während sie Stärke in Trauben-zucker umwandeln kann.

tz. 459. Manche Nebenverhältnisse können die Reactionen der inden Gedärmen vorhandenen schleimigten Massen wesentlich ändern. Prüftman die oberen Abschnitte, so ist es möglich, daß der übergetretene saureSpeisedrei die alkalische Beschaffenheit der Absonderungen verdeckt.Milchsäure, die sich aus den genossenen Kohlenhydraten erzeugt, vermagähnliche Irrwege herbeizuführen. Rechnet man nun noch hinzu, daßgeringe Mengen schwach reagirendcr Flüssigkeiten von den gewöhnlichgebrauchten Pflanzenfarben schwach oder selbst unrichtig angedeutet wer-den, so können die Widersprüche, die sich in solchen Prüfungen ergebenhaben, nicht befremden.

Midd eld orpf fand z. B., daß die Absonderung der Brunner'-schen Drüsen des Schweines sauer, Frerichs dagegen, daß sie und dieder Lieberkühn'schen Drüsen alkalisch reagirten. Man darf aber an-nehmen, daß die ursprüngliche alkalische Beschaffenheit des Darmsastesum so entschiedener hervortritt, je weiter wir von dem Zwölffingerdärmeaus nach unten zu fortschreiten.

tz. 460. Der schleimigte Darmsaft befördert wiederum zunächst dasDahingleiten der Nahrungsüberreste. Seine Zähigkeit bedingt es, daßsich die flüssigeren Fette feiner emulsionsartig vertheilen und in diesemZustande länger verharren. Es kann sich ferner Stärke in Zucker, ob-gleich mit keiner bedeutenden Kraft umsetzen. Da der Schleim in Um-satz begriffene Massen einschließt, so wäre es möglich, daß er einen or-ganischen Fermentkörper unter geeigneten Verhältnissen zu liefern ver-mag. Man muß jedoch bemerken, daß die mit schwach angesäuertemWasser vermischte Dünndarmschleimhaut geronnene Proteinkörper nichtzu lösen pflegt.

tz. 461. Der Bauchspeichel gesunder Thiere scheint nur währendder Verdauungszeit in reichlicher Menge abzufließen. Die Beschaffen-heit desselben wechselt vermuthlich sehr leicht unter regelwidrigen Verhält-nissen. Leuret und Lassaigne, Tiedemann und Gmelin,Bernard und Frerichs erhielten wesentlich verschiedene Mischungen,als sie eine Röhre in den Wirsung'sehen Gang lebender Säugethiereund Vögel und zwar von der Zwölfsingerdarmmündung aus oder in demVerlaufe jenes Abführungscanales mit oder ohne Schonung der Drü-senmasse, eingesetzt hatten. Die Einen fanden in ihm beträchtliche Ei-weißmassen, die Anderen dagegen nicht. Fast Alle bemerkten dagegeneine alkalische Beschaffenheit des ausfließenden Bauchspeichels. DerWasserauszug des frischen Pancreas der Kuh kann auch sauer reagiren.

§. 462. Die Bauchspeichelflüssigkeit muß gewisse, zur Zersetzunggeneigte Körper enthalten. Zerreibt man das Pancreas mit Wasser oderzieht es möglichst vollständig aus, so fault das Ganze binnen Kurzem

Nutzen desDarmschlei,

Einfluß desBauchspei-.chels.