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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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Zustände der Magenschleimhaut.

Fett, pulverigen Resten von hartem Eiweiß oder von Käsestoff, den Bruch-stücken von Knorpeln, Muskelfasern, Sehnen, Bändern und aus den Salzender Knochen oder einzelnen Knochensplittern bestehen können. Die flüs-sigen Massen, die größtentheils aufgesogen werden, zum Theil aber auchin den Zwölffingerdarm übertreten, scheinen immer vcrhältnißmäßig be-deutende Mengen von Asche einzuschließen. Pflanzenfresser liefern durch-schnittlich mehr, als Fleischfresser.

§- 456. Wir haben schon früher gesehen, daß sich der Einfluß derAggregatszustände der Nahrungsmittel in hohem Grade geltend macht.schl»,au>. Man darf daher die Verdaulichkeit der Speisen nach ihrem chemischenVerhalten allein nicht beurtheilen. Ein zweiter Beschränkungsgrund liegtin den Zuständen, welche die Magenschleimhaut selbst darbieten kann.Die Stärke, mit der sie aus ihrer Ruhe erweckt wird, hängt zunächstvon dem mäßigen Reibungsgrade, den die in den Magen eingeführtenStosse ausüben, ab. Geringe Mengen kalter Flüssigkeiten begünstigendie Aussonderung, während sie unter dem Einflüsse größerer Eismassensichtlich leidet. Blondlot und Bernard glaubten gefunden zuhaben, daß der Zusatz einer schwachen Lösung von kohlensaurem Kali dieLösung des Fleisches nachdrücklicher, als der von wenig Weinessig be-fördert, daß daher die schwach alkalische Beschaffenheit des Speichelsund vieler Nahrungsmittel, wie des Eiweißes, die Magenthätigkeit un-terstützt. Größere Alkalimengen hingegen schaden wiederum. Bedeuten-dere Massen von Kochsalz beschränken die künstliche Verdauung der ge-ronnenen Eiwcißkörper. Es ergiebt sich hieraus von selbst, daß nichtbloß die Beschaffenheit, sondern auch die gegenseitige Mischung der Nah-rungsmittel entscheidend eingreift. Die Magenschleimhaut selbst scheintendlich zu den empfindlichsten Körpertheilen zu gehören. Stärkere fieber-hafte Aufregungen, kräftigere mechanische oder chemische Reize, die sieunmittelbar treffen, ändern leicht die Absonderung, die sie liefert, und dieBewegungen, in die der Magen verfällt. Man erhält dann einen Lab-saft, der gar nicht oder schlecht verdaut. Es leiten sich Gährungser-scheinungen, die nicht zur Regel gehören, ein. Es tritt Galle in denMagen zurück. Brechneigungen oder vollständiges Erbrechen könnendiese Unregelmäßigkeiten häufig begleiten.

D°,»,saf,. §- 457. Die Speisereste, welche in die dünnen Gedärme übertre-

ten, begegnen zunächst dem sogenannten Darmsaste, d. h. den verschie-denartigen Absonderungsmassen, welche die Brunn er'sehen, die Lie-berkühn'schen und die Peyer'schen Drüsen und vielleicht auch dieSchleimhaut selbst liefern. Sie treffen überdies mit dem Bauchspeichelund der Galle in dem absteigenden Theile des Zwölffingerdarmes zu-sammen.

§. 458. Da es unmöglich ist, die Absonderungen jener kleinenDarmdrüsen von den übrigen Beimischungen vollständig zu trennen, somuß es auch dahingestellt bleiben, welche Wirkungsunterschiede den Ei-genthümlichkeiten des Baues jener Absonderungswerkzeuge entsprechen.