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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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162
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l 62 Blinddarmvcrdauung.

die Kothbildung begleiten. Die Ursache hiervon liegt nicht sowohl inden physiologischen, als in den chemischen Verhältnissen. Die gegen-wärtige Chemie liefert noch keine hinreichend klare Anhaltepunkte fürdiejenigen beschränkten Fäulnißerscheinungen, welche in dem Lause derdicken Gedärme auftreten.

§. 482. Hält man sich an das äußere Ansehen, so pflegt der Blind-darmbrei dem Inhalte der unteren Theile der dünnen Gedärme seinerConsistenz nach so ziemlich zu entsprechen. Wir finden dagegen dichtereExcrementmassen, die jedoch immer ungefähr ^ ihres Gewichtes an Wasserund anderen flüchtigen Verbindungen enthalten, in dem Verlaufe desGrimmdarmes. Es werden die zur Ausstoßung bestimmten Verbindungenin den dicken Gedärmen des Menschen und einzelner Säugethiere, wiez. B. des Kaninchens, des Schaafes, des Pferdes u. dgl. verdichtet.

§. 483. Obgleich der Inhalt des Blinddarmes einen deutlichenKothgeruch nicht selten darbietet, so nimmt dieser doch im Verlaufe derübrigen dicken Gedärme merklich zu. Die menschlichen Excremente wer-den erst Mich und nach braun gefärbt. Erwägt man noch, daß Wasserstoff-verbindungen, wie Kohlenwasserstoff oder Schwefelwasserstoff in den dickenGedärmen beständiger auftreten, daß Ammoniak als Doppelsalz, nämlichals phosphorsaure Ammoniak-Magnesia in reichlicherer Menge auftritt,so kann man kaum bezweifeln, daß die Ueberreste der Speisen und derGallenniederschläge einem beschränkten, unter Wasser vor sich gehendenFäulnißprocesse unterworfen werden.

§. 484. Während die reinen Fleischfresser einen sehr kleinen Blind-darm besitzen, erlangt dieser einen beträchtlichen Umfang in den Pflanzen-fressern. Der große Sack ist in der Regel im Pferde oder im Kaninchenmit Speiseresten strotzend angefüllt. Die rohen Pflanzenstoffe, die einelängere Verarbeitung nöthig haben und deshalb anhaltender im Nahrungs-canal verweilen müssen, finden wahrscheinlich in dem Blinddarm ihrengünstigsten Verdauungsbehälter.

§. 485. Die Kohlenhydrate haben Haupthebel ihres Umsatzes indem Speichel und in den innerhalb der dünnen Gedärme hinzukommen-den Absonderungsflüssigkerten, die schwerer löslichen Eiweißkörper undandere stickstoffreiche Massen dagegen in dem Magensafte. Die flüssigenFette werden größtentheils im Dünndärme aufgesogen. Wenn nun nochein eigenes Verdauungssystem der dicken Gedärme hinzugefügt ist, sokann dieses nur den Zweck haben, dasjenige, das den früheren Darm-theilen entgangen, nutzbar zu machen. Der Blinddarm und der Grimm-darm bilden gleichsam die zweite Grenzwacht. Es werden die Nahrungs-reste einer nochmaligen Prüfung unterworfen, damit so wenig, als mög-lich von brauchbapen Stoffen verloren geht.

§. .486. Ein Nebenumstand begünstigt wahrscheinlich die aber-malige Ausziehung. Die stickstoffhaltigen Körper, die der Magensaftnicht bewältigt hat, treten zunächst durch den Dünndarm hindurch. Sievermischen sich hier mit Gährungsmassen, die sie gewiffermaaßen auf-