Buch 
Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
Entstehung
Seite
163
JPEG-Download
 

163

Grimm barm Verdauung.

schließen oder ihre Molecüle auflockern können. Sie werden sich daherin den dicken Gedärmen leichter lösen. Bedenkt man, daß viele Pflanz-liche nahrhafte Körper von Hüllen von Cellulose eingeschlossen, weiden,so kann man sich vorstellen, daß die in dem Dünndarm Statt finden-den Umsatzerscheinungen die spatere Bewältigung um so eher erleichtern.Lösen sich auch die Zellenwände nicht auf, so können sie doch an Durch-. dringbarkeit oder in ihren Diffusionswirkungen überhaupt gewonnenhaben.

§. 487. Man kennt für jetzt noch keinen bestimmten eigenthümlichenNutzen der an und für sich wahrscheinlich alkalischen Absonderung desBlinddarmes. Enthält er Kohlenhydrate, so gehen diese häufig in Milch-säuregährung über. Die Milchsäure kann dann zweierlei Nebenvortheiledarbieten. Sie wird an und für sich manche Verbindung, vorzüglichder Pflanzennahrung und Salze, wie z. B. die kohlensaure Kalk- undTalkerde auflösen. Tritt sie mit den organischen Stoffen der Absonde-rung des Blinddarmes zusammen, so liefert sie eine Mischung, die ge-ronnene Eiweißkörper bewältigt. Hatte ich angesäuertes Wasser mitStückchen von Blinddarmschleimhaut des Menschen vermengt, so wirktedas Ganze zwar weniger stark und langsamer, als eine aus Magen-schleimhaut bereitete Verdauungsflüssigkeit. Die Endergebnisse lehrtenaber, daß die Lösungskräfte nicht mangelten.

§. 488. Die ebenfalls alkalische Absonderung des Dickdarmes kann G,i»,wahrscheinlich auch noch Eiweißkörper aufnehmen helfen. Das Filtratdes Coloninhaltes führt häufig Eiweißmaffen. Die Pflanzenreste setzenhier ihre Gährung fort, so daß nicht bloß Milchsäure, sondern auchButtersäure zum Vorschein kommen kann.

§. 489. Die Excremente enthalten dreierlei Bestandtheile, die nichtverarbeiteten festen Speisemassen, die unlöslichen oder schwer löslichenZellenabsätze und Schleim oder andere organische Verbindungen, fürderen Entleerung der After benutzt wird. Die Winterschläfer könnenam Besten beweisen, daß der Mangel der Nahrungseinfuhr die Excre-mentalbildung nicht aufhebt. Wir werden später sehen, daß z. B. einim Winterschlafe befindlicher Igel, der keine Nahrung seit Monaten zusich genommen, verhältnißmäßig beträchtliche halbfeste bis feste Koth-ballen von Zeit zu Zeit zu entleeren Pflegt.

tz. 490. Dichter oder stärker verholzte Pflanzenstoffe, die in reich-licherer Menge mit der Nahrung eingeführt worden, treten unverändertoder entfärbt und theilweise ausgezogen zum After heraus. Das Pferdgiebt auf diese Weise eine große Menge der genossenen Pflanzenstengelwiederum von sich. Harte Samenhülsen, Kirsch- oder Pflaumenkernekönnen im Menschenkothe enthalten sein. Essen wir aber auch gewöhn-liche, scheinbar gesündere Nahrung, so enthält doch in der Regel derKoth mikroskopische Speisereste, deren Gleichen von den Vcrdauungs-säften bewältigt werden.

Igs. I. k4z. XVII. zeigt z. B. die Bestandtheile meiner mit Wasser

il"