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Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
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172
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fester A

172 Uebergang in die Lymphe oder das Blut.

Verhaltens, welches die einzelnen Schleimhäute in dieser Beziehung dar-bieten, mangelt noch gänzlich. Die unvollständige Wirkung, welche diein die Luftröhrenverzweigungen eingeführten Lösungen bisweilen darbieten,deutet darauf hin, daß hier Unterschiede, die sich mit Sicherheit nichtvoraussagen lassen, vorkommen werden.

h. 523. Das endermatische Verfahren bemüht sich, die Schwierig-keiten, welche die trockene Oberhaut entgegensetzt, durch die Entfernungderselben aufzuheben. Man läßt z. B. zuerst eine spanische Fliege eineBlase ziehen, entfernt die von der abgeschiedenen Flüssigkeit emporge-hobene Epidermis und . streut Heilmittel, wie Morphin, Veratrin, derenWirkung durchgreifen soll, auf die feuchte Wundflache unmittelbar auf.

tz. 524. Feste Absätze, wie entzündliche Ausschwitzungen, Eiterab-lagerungen, die sich zwischen die inneren Gewebtheile eingedrängt haben,werden nicht selten allmählig verflüssigt und aufgesogen. Die Naturscheitert aber häufig genug in diesem durch die Alkalescenz und denSalzreichthum der Nachbarsafte begünstigten Streben. Ein dichter Rück-stand, an dem oft noch Jahre lang gefeilt oder geätzt wird, bleibt des-halb noch in vielen Fällen hartnäckig zurück. Fremde Körper, wie Na-deln, Messerspitzen oder Kugeln, die zufällig eingedrungen, leisten ebenso häufig siegreiche Widerstände. Neue Ausschwitzungen kapseln sie nichtselten rings herum ein. Es kann auch vorkommen, daß sie durch dieweicheren Gewebe allmählig weiter geschoben werden.

tz. 525. Es ergiebt sich aus dem früher Dargestellten, daß dieeingesögenen Stoffe unmittelbar in das Blut, zuerst in den Milchsaftoder die Lymphe oder endlich in beide Flüssigkeiten zugleich übergehenkönnen. Ein großer Theil dieser Wechselverhältnisse wird nicht sowohlvon der Natur der dargebotenen Verbindungen, als von den augenblick-lichen Dichtigkeitsgraden ihrer Auflösung und selbst den Orten, an denensie eingesogen werden, abhängen. Viele Salze, vorzüglich der Metall-verbindungen, der Zucker, die Milchsäure, manche Eiweißkörper könnendaher ein schwankendes Verhalten darbieten. Die wenigen bis jetzt vor-liegenden Erfahrungen scheinen jedoch anzudeuten, daß der Uebergangeinzelner Stoffe von ihrer chemischen Beschaffenheit wesentlich abhängt.

Der Weingeist und die Farbestoffe, z. B. der Färberröthe oder derCurcuma gehen eher in das Blut, als in den Milchsaft über. Die Letz-teren scheinen sogleich leichter in der Lymphe, als in dem Milchsäftevorzukommen. Wir haben schon tz. 499 gesehen, daß die Fette von denSaugadern in reichlichster Menge aufgenommen werden und daß dasmilchigte Aussehen des Chylus von ihnen vor Allem abhängt. Es fehltdaher auch in Hungernden oder nach dem Genusse von Nahrungsmitteln,die kein Fett enthalten und aus denen sich keine reichlichen Fettmassenim Laufe des Verdauungsumsatzes erzeugen können.

tz. 526. Betäubende Gifte, wie Strychnin, tödten weit rascher,wenn der Kreislauf und mithin auch der Uebergang in die Blutmassefrei gegeben ist. Hat man dagegen die Aorta eines Kaninchens dicht