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Anfungslymphe.
theile. Der Milchsaft führt daher wahrscheinlich das Fett in einem an-deren Zustande, als es das Blut vermöchte, zu. Es wird nicht zurGallenbereitung verwendet, gelangt hingegen unmittelbar nachdem esdem Einflüsse des Blutes Preis gegeben worden, in die Lungen, inden Athmungsheerd, dem frischer Sauerstoff fortwährend zufließt.
ß. 536. Da der Umsatz der Ernährungsflüssigkeit, der die Haupt-quelle der Lymphbereitung bildet, mit der Verschiedenheit der Blutmas-sen, der Porosität der Blutgefäßwände und der Gewebtheile der einzel-nen Organe wechselt, so versteht es sich von selbst, daß die Beschaffen-heit der Lymphe mit der Mannigfaltigkeit derKörp.ertheile, aus denensie kommt, abweichen wird. Der Unterschied muß in den Hauptstäm-men in den Hintergrund treten, weil sich hier schon die Flüssigkeitenvieler Ursprungsquellen vermischt haben und der Einfluß der Saugader-drüsen dazwischen getreten ist.
§. 537. Ein eigenthümliches Leiden verschafft bisweilen die Gele-genheit, menschliche Lymphe kurz nach ihrem ersten Entstehen zu sam-meln. Ist ein Saugaderstamm der Zehen oder des Unterschenkels durch-schnitten worden, so ereignet es sich, daß die Wunde nicht zuheilt, daßLymphe zur Oeffnung fortwährend herausströmt. Nur durchgreifendeEingriffe, wie das Ausschneiden der ganzen Gegend und das nachfolgendeBrennen mit dem Glüheiscn können bisweilen zur Vernarbung führen.
h. 538. Die klare gelbliche bis grünlichgelbe Flüssigkeit gerannnach einiger Zeit an der Luft in den von I. Müller und Nasse,Marchand und Colberg gemachten Beobachtungen. Die Mischungwar hier aus einem Saugaderstamme des Fußes ausgeflossen. Derfarblose Kuchen, der sich innerhalb des Lymphserum erzeugte, schloß ver-hältnißmäßig viele Lymphkörperchen ein. Die gelbliche Flüssigkeit, dieich aus einer Saugaderwunde des oberen Dritttheiles der Vorderseitedes Unterschenkels unmittelbar neben der Schienbeinkante erhielt, ge-rann fast gar nicht. Einzelne Mengen derselben, die hermetisch ver-schlossen aufbewahrt wurden, hatten ihre flüssige Beschaffenheit noch nach24 Stunden beibehalten. Die mikroskopische Untersuchung wies nur sehrwenige körnige und meist nicht vollkommen runde, sondern platte Kör-perchen nach. Freie größere Oeltröpfchen kamen zu keiner Zeit vor.
Hatte das Ganze einige Zeit in einer luftdicht geschlossenen Pipette ge-standen, so setzte sich eine sehr große Menge überaus kleiner Molecüle(ö. o. Issi II. kiA, xxil.) ab. Man bemerkte außerdem einzelne spar-same körnige, zum Theil platte und unregelmäßige Körperchen, a, Kry-stalle von Gallenfett, «l, und von anderen unbestimmbaren Verbindun-gen, 6. Diese Bestandtheile konnten noch ein Jahr darauf ebenfallswahrgenommen werden.
tz. 539. Da schon die Anfangslymphe wechselt, so läßt sich sehrD,»nk-,»ngschwer entscheiden, welche Veränderungen die Saugaderdrüsen herbei-führen. Dazu kommt noch, daß die chemische Untersuchung die feinerenUmsatzverhältnisse noch nicht verfolgen kann.