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s.li' Bestand-
Mengen des Milchsaftes.
Die Anfangslymphe des Menschen enthalt 3 bis 5"ch festen Rück-standes, wahrend die lebende Blutflüssigkeit O"/, einer ungefähren Schä-tzung nach zu führen scheint. Diese enthält auch beträchtlichere Mengenvon Eiweiß, dagegen verhältnißmäßig weniger Satzverbindungen. DieZusammensetzung der Lymphe scheint sich aber der der Blutflüssigkeitum so mehr anzunähern, je weiter sie fortschreitet. Man findet dannauch beträchtlichere Quantitäten von Eiweiß und vielleicht von Faser-stoff, zahlreichere Lymphkörperchen, hin und wieder Zellen mit einfachenKernen und Körperchen, die den wahren Blutkörperchen nahe stehen,wo nicht fast vollkommen gleichen. Der Inhalt des Milchbrustgangeshungernder Thiere kann diese Erscheinungen am Ehesten darbieten. Esereignet sich, daß sich die gelbliche oder weiße Masse an der Luft oderin Sauerstoffgas späterhin roth färbt.
tz. 540. Der Milchsaft enthalt eine große Menge sehr kleiner,wahrscheinlich fettiger Molecüle, neben denen noch einzelne Oeltröpfchenmittlerer Größe und sogenannte Ehyluskörperchen, d. h. körnige Ballen,die eine Hülle und eine kernartige Masse unter dem Einflüsse des Was-sers häufig zeigen, vorkommen. Ihre Zahl scheint nach dem Durch-tritte durch die Gekrösdrüsen zuzunehmen. Hat ein Mensch reichlicheMengen von Milch kurz vor dem Tode genossen, so kann es sich er-eignen, daß der Inhalt des Milchbrustganges größere leicht zusammen-fließende Oeltropfen darbietet.
tz. 541. Man darf mit Recht vermuthen, daß das unter einem gewissen'Drucke strömende Blut einzelne Verbindungen durch die porösen Gefäß-wände fortwährend durchschwitzen läßt. Die Ernährungsflüssigkeit kanndie passenden Stoffe an die Gewebe abgeben oder nur, wie ein Aus-waschwaffer, durch sie hindurchtreten. Dem sei wie ihm wolle, so wer-den hierbei die Saugadern beträchtliche Flüssigkeitsmengen zur Aufnahmeerhalten. Bedenken wir, wie viel Flüssigkeit die Drüsen zu ihrer Thä-tigkeitszeit verbrauchen, während sie dagegen nur Spuren derselben inder Ruhe aussondern, so dürfen wir mit Recht schließen, daß beträcht-liche Quantitäten die Abzugscanäle der Saugadern täglich durchströmenwerden.
h. 542. Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, die Mengen vonMilchsaft oder von Lymphe, die dem Blute in 24 Stunden beigemengtwerden, auch nur annäherungsweise zu bestimmen. Die Verfahrungs-arten, denen man sich zu diesem Zwecke bedient hat, lassen noch wesent-liche Zweifel übrig.
§. 543. Man hat angenommen, daß die stickstoffhaltigen Bestand-theile der Nahrungsmittel in den Chylus ausschließlich übergehen, weildas Blut eiweißartige Körper gleichzeitig ausschwitzen läßt und diesenicht sogleich wieder aufnehmen wird. Die Voraussetzung, die man hierzum Grunde legt, hat aber keinen sicheren Boden, weil der Speisedreiandere Modifikationen stickstoffhaltiger Verbindungen zu führen pflegt.