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Herztöne.
Hauptursache des Herzstoßes bildet, nicht beseitigt. Sie kann möglicherWeise dadurch unterstützt werden, daß die gleichzeitig gefüllten Vorhöseden Schwerpunkt des gesammten Herzens andern und sich die Lungen-schlagader und die Aorta, an denen jenes aufgehängt ist, zu strecken suchen.
§. 605. Legt man das Ohr in der Gegend, in welcher der Herz-stoß geführt wird, an die Brustwand an, so hört man einen ersten tie-fen und dumpfen und einen zweiten höheren, helleren und kürzeren Tonwahrend der Dauer eines einzigen Herzschlages.
Drückt man den Trichter öeck des in Fig. 118 im Längendurch-
Flg. 118. schnitt dargestellten Hörrohres oder Stethoskopes an dieBrustwand, während das Ohr auf der Elfenbeinplatteruht, so kann man die Herztöne ebenfalls verfolgen.
tz. 606. Die an Säugethieren angestellten Ver-suche lehrten, daß der erste Herzton mit der Verkür-zung, der zweite dagegen mit der Erschlaffung derKammern zusammenfällt. Die Entfernung der Brust-wände, der Mangel des Herzstoßes hebt die Tönungkeineswegs auf. Es muß daher die Erscheinung inden Wechselverhältnissen der einzelnen Herztheile undnicht in den Nebenbeziehungen zu den Nachbarmassen
begründet sein.
h. 607. Das Spiel der Ventile mancher hydraulischer Vorrichtun-gen führt zu deutlichen Tonbildungen. Bedenken wir nun, daß der ersteTon mit der Systole oder dem Schlüsse der venösen Klappen, der zweitedagegen mit der Diastole oder der Schließung der halbmondförmigenKlappen zusammenfällt (tz. 587.), so können wir vermuthen, daß diebeiden Herztöne Ventiltöne sind, die von den Schwingungen der ange-schlagenen gespannten Klappenhäute herrühren. Die Schallwellen pflan-zen sich dann durch feste oder tropfbar flüssige Massen sehr gut fort.Gase hingegen setzen eher größere Hindernisse entgegen. Die Herztönewerden daher auch unkenntlicher, so wie sich die mit Luft gefüllte Lungevor der Herzmasse bei dem tiefen Einathmen vorlegt (tz. 602.).
h. 608. Viele Forscher haben den ersten Ton als ein bloßes Mus-kelgeräusch, d. h. als eine die Verkürzung der Muskelfasern begleitendeErscheinung angesehen. Der Herzton weicht aber von den Tonbildungen,die man während der Zusammenzichung des zweiköpfigen Armmuskelsoder der Bauchmuskeln hört, wesentlich ab. Jener wächst auch nichtmit der Stärke der Systole.
§- 609. Die Gesammtmasse der zur rechten Kammer hervorge-»>« streuen Blutmenge begiebt sich in die Lungen oder zu einem dem Her-zen fern liegenden Körpertheile. Die Flüssigkeit dagegen, welche dielinke Kammer in die Aorta treibt, bietet andere Verhältnisse dar. Einewenn auch verhältnißmäßig geringe Menge derselben kehrt gewissermaaßenzum Herzen selbst zurück. Sie dringt in die unmittelbar über den halb-mondförmigen Klappen gelegenen Mündungen der Kranzschlagadern <mn,