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Henricus de Langenstein dictus de Hassia : zwei Untersuchungen über das Leben und die Schriften Heinrichs von Langenstein / von Otto Hartwig
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Epistola Luciferi ad cleruin.

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vierzclmteu Jahrhunderts verbreitet wurden, ist das uns beschäf.ligende das älteste und bekannteste 1 ). Durch ganz Deutschlandfinden sich Handschriften von ihm. Denn es zählt im erstenBande seines Manuscriptcnverzeichnisses allein zwölf Exemplareauf, die sich in der Hofbibliothek zu Wien linden. Die Zeit derAbfassung ist wohl um das Jahr 1350 zu setzen 2 ).

Da die Schrift im Namen des Teufels geschrieben war, hatsich natürlich der wahre Verfasser derselben nicht genannt. Wirsind desshalb bei Bestimmung desselben nur auf die Zeugnissevon Zeitgenossen oder späterer Abschreiber gewiesen, die wahr-scheinlich über denselben nur Vermulhuugen aufstellen konnten.Diese schwanken nun zwischen Nicolaus Oresmius und Heinrichvon Langenstein. Oresmius durch seine freimüthige Rede vorUrban VI. 1363 bekannt, wird von Matthias Flacius 3 ), Wolf 4 )Salomo Gessner 5 ), Placcius 6 ) u. A. als der Verfasser genannt.Würde die Angabe des Flacius, dass in der von ihm benutztenHandschrift Oresmius als der Verfasser bezeichnet sei, nicht durch

1) Ausser unserem Brief sind mir noch drei ähnliche bekannt; einervon Pierre dAtlly, welchen er wahrscheinlich 1381 unter dem NamenLeviathan schrieb , (Denis I, 1822), ein zweiter an den Erzbischoir vonllagusa Johannes Dominicus | 1418 (Thcodericus a Niein, Nemus unionistractat. VI. c. 29) und ein dritter von leter von Dortrecht an die Prälatenseiner Zeit gerichtet. Das zweite dieser Schreiben hat Franz Walch (Mo-nimenta inedii aevi I, III. p. 255) abdrucken lassen. Die Abhandlung vonAndreas Schmid: de libris et epistolis coelo et inferno delatis (llelm-stadt. 1704) war mir nicht zugänglich.

2) Eine Handschrift zu Wien hat die Bemerkung: Haec dicitur epi-stola missa per Luciferuni domino Clcmenti (VI) sub anno domini MCCCL.Denis I, 1198. Hiermit stimmt auch überein: Duplcssis Mornay, Mysteriuminiquitatis pag. 964. (Genf. 1612).

3) Epistola Luciferi ad spirituales circiter annos centum, ut ex codicisvetustate apparet, descripta. Autore Nicolao (Iren. Magdeburg bei Lotter1549. Im folgenden Jahre gab Flacius dieselbe Schrift auch in deutscherSprache heraus. Er wollte dem Volke durch dieselbe zeigen, in welcheIlände die Adiaphorlsten und Interimistiker die Kircho Christi ausliefcruwollten.

4) Wolfii lectioncs mcmorabilcs I, p. 654.

5) In der Ausgabe des Briefes, die er Wittenberg 1604 mit der er-wähnten Ilede des Oresmius veranstaltete.

6) Viuccntius Placcius, Theatrum Anonymorum s. v. Oresmius.