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Die Genera und Species meiner Cetonidensammlung : II. Teil: Tribus Cetonidae, Diplognathidae und Cremastochilidae / von Dr. Gustav Schoch
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sich bei der Kopulation am Q zu fixieren. Vielleicht hängt mit diesem Akt auch die viel kräftigereEntwicklung der Tarsen des cf bei Goliathiden zusammen. Ein weiteres durch den Kopulationsaktbedingtes Merkmal ist endlich das häufige Vorkommen einer furchenartigen Bauchimpression immännlichen Geschlecht, während der Bauch des Q stets gerundet ist.

Einer der wesentlichsten Charaktere der Cetoniden besteht in dem eigentümlichen Seiren-ausschnitt der Decken hinter dem Schulterbuckel, der nur 'wenigen Gattungen abgeht. Diese Decken-ausrandung erlaubt den flugkräftigen Käfern sofort ohne Hebung oder Spreizung der Decken dieFlügel zu entfalten und rasch abzufliegen; die Decken bleiben beim schnurrenden Flug dem Leibeaufliegen und dienen nicht als Fallschirm, wie z. B. bei Maikäfern oder Trichiaden. Ferner tretendie Scapulae vor dem Schulterbuckel der Decken meist stark hervor und sind von oben sichtbar.

Da die Mehrzahl der Cetoniden glänzende Farben und oft bizarre Zeichnungen zeigen, sowerden ihnen ihre harten Decken und Chitinteile -wohl einen Schutz vor insektenfressenden Tieren,wie auch gegen Parasiten bieten. Vielleicht hat ihr Körper aber auch ätzende Säfte, welche sieschützen, obgleich solche nirgends als Drüsensekret hervortreten.

Was nun die spezifischen Merkmale zur Aufstellung von Unterabteilungen (Tribus, Subtribus)und Genera anbelangt, so ist heute noch die Valenz derselben eine Streitfrage, die sehr verschiedengelöst wird. Nach unserer Ansicht hat sich hier Herr Dr. Kraatz in Berlin ein grosses Verdiensterworben durch die genaue Abwägung der massgebenden Merkmale.

In erste Instanz stellt Kraatz die Provenienz, das Vaterland der Cetoniden und errichteteine Reihe rein geographischer Gruppen. Dieser eigentümliche Standpunkt wird durch folgende Er-wägungen begründet: Die Cetoniden scheinen eine rezente Käferfamilie darzustellen, die wohl erstin später Tertiärzeit sich durch Lebensweise und entsprechende Anpassung von dem Hauptstammder Lamellicornier abzweigte, eben erst dann, nachdem massenhafte dicotyle Blumen ihnen Nahrungbieten konnten. Dafür spricht die eigentümliche Verbreitung und Entwicklung ihrer Familie. Dassdie Tropen die Hauptmenge der Formen beherbergen, ist eigentlich selbstverständlich, in der ge-mässigten Zone sinken sie rasch auf ein Minimum und die kalte besitzt keinen einzigen Repräsen-tanten. Aber sehr auffallend ist das relative Zurücktreten der Familie in Amerika , wo nur dieGymnetiden und von den ächten Cetonien ein Genus (Euphoria) Vorkommen. Ob die isolierteIschnoscelis Höpfneri eine wirkliche Goliathide ist oder sich dort aus irgend einem Stamm selbst-ständig entwickelt hat, ist schwer zu sagen. Wiederum ganz abweichend ist die Fauna von Neu-Holland und seiner Inseln gebaut, wohin bisher nur einige malayische Glycyphana- und Lomaptera-Arten eingedrungen sind, sonst aber beherbergt Neu-Holland alles eigene Genera. Eine scharfeGrenze zieht ferner das Himalayagebirge für die Macronotiden und wohl auch die Goliathiden, wiediese letztem in Afrika scharf durch die Sahara getrennt werden. Endlich hat in dem faunistischso interessanten Inselland Madagaskar die Cetonidenfamilie eine so eigentümliche und reiche Ent-wicklung erreicht, dass sozusagen kein einziges Genus identisch ist mit irgend einem afrikanischenoder asiatischen, so dass wir eine autochthone Entwicklung voraussetzen müssen. Dass an denGrenzen der Faunengebiete einzelne Formen etwas übergreifen, ist natürlich kein Beweis gegen dieRegel. Wir dürfen also annehmen, die Vorläufer der Cetoniden hätten sich erst spät ausgebreitetund hätten in der Quartärzeit erst, d. h. nachdem die Kontinente ihre heutige Trennung und Kon-figuration erreicht haben, sich auf jedem Gebiete selbstständig entwickelt. Es können ja auf dieseWeise parallele Reihen entstanden sein, z. B. Gymnetiden in Amerika und Macronotiden in Asien ,ohne dass man eine gemeinsame Grundform mit lappenförmigem Halsschildhinterrand vorauszusetzenbraucht, sonst müsste man auch die madagassische Micropeltis und Doryscelis und die afrikanischeStethodesma hierher ziehen.