Lissabon, und Portugals Bewohner. i',s
taillier her höheren Stände auf den Straßen sieht, die um dreiiihr „ach Mittag (der Zeit, in welcher Jedermann 8iesta halt) oftso menschenleer sind, daß man auf einer Strecke von einer Viertel-stunde, kaum zwölf Personen begegnet. Bei solchen Gelegenheiten"hielt v. W. mannigfaltige Beweise von der Höflichkeit und Gut-wuthigkeit der Einwohner. Er verirrte sich häufig auf seinen Wan-derungen durch die Stadt; aber kein einziges Mal wurde er vonjemand unfreundlich zurück gewiesen, wenn er um Auskunft über denWeg fragte. Manche hegleiteten ihn ganze Straßen lang, und alser sich einst außer der Stadt verspätet hatte, und bei der Dunkel-heit in den, nur durch einzelne, den Heiligen geweiht-, Lichter be-leuchteten Straßen nicht mehr zurecht fand, begegnete er einem al-len Offizier, der, auf die erste Aeußerung seiner Verlegenheit, sichsogleich erbot, ihn nach Hause zu hringcu. Dort angekommen, hatte«r das Vergnügen, den ehrwürdigen Veteran zu bewirthen, und nachder Behaglichkeit zu urtheilen, mit der er einige Stunden dortzubrachte, mußten ihm wohl nicht oft so gute Augenblicke zu Theilwerden. Er hatte einen großen Theil seiner Lebensjahre in den ost-indischen Besitzungen als Soldat gedient, und war endlich, zumLohne für viele beschwerlich durchlebte Jahre, zum -^lleros (Fähn-rich) befördert worden. Sein Sold war so klein, daß man Portu-giese sein mußte, um davon, wenigstens äußerlich, anständig lebet,ZU können, und das Gemälde, welches er von dem Schicksale derMeisten Offiziere der Armee entwarf, war unbeschreiblich traurig.
Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Lissabon über40.000 Menschen, durch das Erdbeben, umgekommen waren, undMan an der Möglichkeit verzweifelte, es je wieder aufbauen zu kön-nen, stand ein entschlossener Mann, rießengroß, nnter den Trümmern,und wurde ein zweiter Erbauer der Stadt. Josef von Carvalho,Marguis von Pvmbal, König Josefs 1. Minister, war dieser Mann.Nachdem er den Flammen und dem raubgierigen Pöbel Einhalt ge-than, die Verwundeten aus dem Schütte hervorgezogen, die Todtenbeerdigt, die Lebenden unter Obdach gebracht, und die nothwendig-sten Lebensmitlel herbeigeschafft hatte, begann er mit rastloser Thä-tigkeit den Wiederaufbau der Stadt. Alle Provinzen des Landes,welche das Unglück verschont hatte, mußten den Bewohnern derHauptstadt beistehe». Reichliche Unterstützung gaben reiche Privat-
10 "