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Jahrbuch der Reisen und neuesten Statistik / in Verbindung mit einigen Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Lissabon, und Portugals Bewohner,

verächtlich sind die übrigen Bettler, welche beständig in großer Mengean den Straßenecken und Kirchthnre» stehen, und die ekelhaftestenWunden und Geschwüre den Vorübergehenden vor die Augen hal-ten. Diese Tagediebe, welche ganz bestimmt ihre Wunden absicht-lich offen erhalten, bringen den ganzen Tag, schlafend, oder rauchend,auf dem Pflaster zu, höchstens mit der Durchsuchung ihrer Lumpenbeschäftigt, die vom Ungeziefer wimmeln.

Lissabon hat keine Thore, und ein Paar Dörfer stehen mit derStadt in so genauer Verbindung, daß man nur durch die Wachhäu-ser aufmerksam gemacht wird, daß man sich am Ende der Stadt be-findet. Die schönste dieser Ortschaften ist Bemfica, am südlichenTheile Lissabons gelegen. Dort sind die Landhäuser der Reichen,und in der Nähe derselben die Wohnsitze der königlichen Familie. DieLage Bemfica's kann vorzüglich genannt werden. Hier sind Gärten, mitmannigfaltigen Gewächsen und Feldern, mit Weinreben, Olivenbäu-men, oder Getraidc bepflanzt, und zu beiden Seiten derselben dieschönen Ouintas erbaut, unter welchen sich besonders die des BaronOuintela auszeichnete. Von hier aus sieht man einige Bogen derprächtigen Wasserleitung und die hohen Gebirge Cintra's, und kömmtnun, von einer ununterbrochenen Reihe von Orangen- und Oliven-bäumen beschattet, nach dem Dörfchen Fabrica do papel (Papier-fabrik). Dieser Ort trägt die Spuren seines Verfalles an sich, unddie einzelnen Fabriken scheinen unbeschäftigt, oder nur in sehr ge-ringer Thätigkeit zu sein. Wozu brauchten auch die Portugiesen,die nichts lesen, und nur das Nothwendigste schreiben, Papier, wel-ches ihnen überdicß vom Auslande, billiger und besser, zugeführtwird, als sie es verfertigen können. Das Dörfchen hat eine male-risch schöne Lage, die Häuser sind dicht am Felsen gebaut, und mit-ten durch dasselbe fließt ein breiter Strom, dessen Ufer mit Citronen-und Olivenbäumen besetzt sind. Die Gegend wird hier bergig, und soreich an Abwechslung, daß man Tage lang in ihr weilen möchte,und nachdem man einig« Stunden die reinste Luft cingeathmet hat,nur mit Widerwillen nach der schmutzigen Hauptstadt zurückkehrt.

Spaziergänge außerhalb der Stadt sind beschwerlich, da mansie gerade in der größten Tageshitze machen muß, denn am Abend istes, besonders für den Fremden, zu gewagt, sich ganz allein aufschmalen Fußwegen, und durch Hecken eingeengten Plätzen zu zeigen.