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Lissabon, und Portugals Bewohner.
ist, so sohl und unfruchtbar ist die Gegend auf der entge-^"geseptcn Seite. Man fleht nur einige Olivenbäume, und die-^ui'iie,, einiger Häuser, welche unmöglich das Erdbeben zerstört ha-^'» konnte, da, merkwürdig genug, die prächtige Wasserleitung auchNicht im Geringsten dadurch litt. Wenn die Einwohner nur einen Theil^ Düngers, der in den Straßen liegen bleibt, hierher führen woll-en, so könnt« diese Gegend, mit geringen Kosten, in den schönstenZarten umgewandelt werden. Daß Niemand an eine so einträglicheVerbesserung und Benutzung großer Strecken Landes denkt, ist einneuer Beweis der Trägheit der Einwohner.
Früher war der Platz bei der Wasserleitung wegen häufigerMordthaten berüchtigt, und auch jetzt ist er stets so öde, daß dereinzelne Wanderer, welchem Gefahr drohte, vergebens um Hilfel'uscn würde.
Als v. Weech flch wieder in der Stadt befand, wurde er aufeinig« blinde Bettler aufmerksam gemacht, die von Hunden, welchefle am Stricke hielten, geführt, ihren Weg mit großer Sicherheitfortsetzten. Von Zeit zu Zeit blieben sie stehen, und schienen mitlauter Stimme eine Anrede an die Vorübergehenden zu halten. Balddarauf ergab sich, daß einer dieser Bettler mehre polizeiliche Verord-nungen der Regierung verkündete. Der Mann sprach so gut, daßn>an sich über sein Gedächtniß wundern mußt«. Der Mann wurdeherbeigerufen, ihm einige Münzen gegeben und befragt, durchwelchen Zufall er blind geworden sei. Er erzählte im reinsten Por-tugiesisch, daß er eine Reise nach Angola gemacht, und flch dort<Uue Augenentzündung zugezogen habe. Diese hätte sich auf der Rück-reise so sehr verschlimmert, daß er bald nach seiner Ankunft auf demeinen Auge, und wenige Monate später auf dem andern, erblindetfei. Die Aerzte, die er besucht, hätten ihm zwar Salben und an-dere Mittel gegeben, da er aber immer mehr verarmt sei, auch kei-nen guten Erfolg von dem Gebrauche bemerkt hätte, so habe er sichletzt in sein Schicksal ergeben, und verdiene sein Brod als Ausrufer(Ilok.irinlitziro), wie er sich nannte. Diese Blinden sind also die le-benden Jntelligenzblatter Lissabons, deren sich Jedermann gegenVezahlung bedient, um dem Publikum die beabsichtigten Anzeigen zuwachen, und es scheint, daß sie sich ihrer Aufträge gut und gewissen-haft entledigen. So nützlich übrigens diese Unglücklichen sind, so