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Jahrbuch der Reisen und neuesten Statistik / in Verbindung mit einigen Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Die Pampas und ihre Bewohner.

tcrs, mit feierlichem Ernste gehalten wurde, und in welcher er mich,als einen reiselustigen, jungen Engländer vorstellte. Hierauf zogDon Pablo, mit vieler Gravität seinen Hut, fragte, ob ich ein Kristsei, «nd spanisch spreche, und ersuchte uns, nachdem ich zur Zu-friedenheit geantwortet hatte, abzusteigen, und in seinem Hause zu-zusprechen. Zugleich stieß er in ein großes Ochsenhorn, worauf au-genblicklich ein berittener Knecht erschien, und uns die Pferde ab-nahm. Dann traten wir durch die Thüre ein, wo uns sein« Ge-mahlinn, Donna Maria el Carmen, empfing. Ein Paar Kinder,von 9 bis 10 Jahren, saßen, ganz nackt, am Feuer, das in derMitte der Wohnung angemacht war. Nachdem wir diese, etwashäßliche und schmutzige, Dame, welche ihre indi'aniscbe Abkunft nichtverlangn«» konnte, begrüßt hatten, bemerkte Don Pablo, daß er weißeMänner stets mit Vergnügen bei sich sehe; ein« Andeutung, daß erund seine Familie ebenfalls dafür gelten wollten. Dann wurden unsPlätze am Feuer angeboten, welche ich, nach einem so starken Ritte,nicht besonders bequem finden konnte. Statt der Stühle bedientman sich nämlich hier eines Kuh- oder Ochsenschädels, zwischen des-sen Hörnern man sich niedersetzt. Ich gewann augenblicklich dasWohlwollen unserer Wirthe, mit dem Anerbieten einiger Paraguay-Cigarren, welche sie außerordentlich lieben, und während diese, still-schweigend, und mit sichtbarem Behagen, geschmaucht wurden, nahmich mir die Freiheit, meine neugierigen Blicke etwas in unserer Woh-nung umher schweifen zu lassen, und ich muß gestehen, daß die Bau-art und Einrichtung derselben von einer merkwürdigen Einfachheitwaren. Die Hütte, welche Do» Pablo, sehr bescheiden, Residencianannte, war zeltartig gebaut, und hatte den Umfang und die Ge-stalt eines Offizierzeltes, mit dem Unterschiede, daß sie mit Ochsen-häuten bedeckt war, die rauhe Seite derselben nach Innen gekehrt.Das nöthige Licht wurde durch den Eingang herein, und der Rauchauf diesem Wege hinaus gelassen. In einem Winkel der Wohnungwar eine große Ochsenhaut ausgespannt, die wahrscheinliche Lager-stätte der Familie. Daneben hatte man einiges Brennmaterial auf-geschichtet, welches aus den Exkrementen der Heerde bestand. An ei-nem der Pfeiler hingen mehre Hörner, ein kleiner kupferner Kessel,und ein Gefäß von Blech, unseren Chokoladekannen ähnlich. EinFäßchen, mit Wasser gefüllt, vollendete die Einrichtung des Hauses.