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Jahrbuch der Reisen und neuesten Statistik / in Verbindung mit einigen Gelehrten herausgegeben von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann
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Die Pampas und ihre Bewohner.

nicht zu Pulver gestoßen. Dann bringt man ste in Sacke von lin»gegärbtem Leder, preßt ste so stark, als möglich, auf einander, undlaßt ste eine geraume Zeit, unberührt, an einem trockenen Orte lie-gen. Nun heißen die Blätter Thee, auf welchen siedendes Wassergegossen, und woraufer, ohne Beimischung, getrunken wird. Mischt manetwas Zucker und Orangcnblühtcn darunter, so ist dieses Getränkrecht angenehm. Donna Maria ermangelte nicht, den Thee in denerwähnten Chocolade - Becher zu gießen, und, in Ermangelung der,in der Stadt üblichen, und mit einem kleinen Seiher versehenen, sil-bernen Röhrchen, ein, künstlich von Schilfrohr übcrstochtenes, in denBecher zu stecken, der mir sogleich gereicht wurde. Ich konnte nichtumhin, diese entsetzlich schmutzigen Geräthe, welche nun im Kreise,von Hand zu Hand, und von Mund zu Mund gingen, höflichst abzuleh-nen, obgleich ich voraussehen konnte, dadurch meinen gefälligen Wirthzu beleidigen. Aber es stürmten, seit ich mich in der Residenz desDon Pablo befand, so vielerlei unangenehme Eindrücke auf meineverschiedenen Organe ein, daß ich Mühe hatte, den entsetzlichen Ekel,der sich meiner zu bemächtigen anfing, zu unterdrücken. Nach been-digter Mahlzeit säumte ich daher nicht, meine, mit vortrefflichemBranntwein gefüllte, Rciseflasche im Kreise herumgehen zu lassen,was seine Wirkung nicht verfehlte, und mir, als ich dieselbe ausden Händen der Hausfrau ziemlich erleichtert zurück erhielt, einensehr freundlichen Blick zuzog. Nun folgte die Siesta, wozu manfür uns einige Schafhäuts auf die Erde gebreitet hatte. Dann seh-ten wir uns zu Pferd, und besuchten den Bruder der Hausfrau,der einige Stunden von hier seine Wohnung aufgeschlagen hatte.Wir wurden bestens aufgenommen, fanden an seiner Schwester einerträglich hübsches, Und, wie es schien, ganz gewaltig verliebtesMägdche», wurden mit frischem, jungem Pferdefleisch, das vortreff-lich war, und mit Matten bewirthet, und ritten wieder »ach Hause.Bei dieser Gelegenheit erzählte mir Don Pablo so Manches von denSitten, Gebräuchen und der Lebensweise der Hirten, welche die Pam-pas von Buenos Apres bewohnen. Ich erfuhr dadurch, daß diegroßeii Heerden der Viehzucht treibenden Landeigenthümer auf ihrenBesitzungen so vertheilt seien, daß immer 8 bis 10.000 Stück unterdie-Aufsicht eines Oberbirte» (C.atapn 2 ) zu stehen kommen, welchemso viele Unterhirte» jUionen) zugetheilt werde», daß bei jedem Tau-