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Die PampaS und ihr« Bewohner.
samer, vorbeiritt, erregte meine besondere Aufmerksamkeit. Der inder Mitte desselben Reitende hatte die Augen geschlossen und warmittelst zweier dicker Stäbe auf dem Rücken des Pferdes befestigt.Seine Begleiter ritten dicht neben ihm, und schienen ihn von Zeitzu Zeit zu unterstützen. Don Pablo setzte mich sogleich in Kennt-niß, daß dieses ein Todter sei, der zur Beerdigung nach der Kirchegebracht werde. Diesen Liebesdienst, fügte der Erzähler bei, wirdjeder gute Krist seinem Verwandten oder Freunde erweisen. Da esaber Hirten giebt, die manchmal über 40 Stunden von einer Kircheentfernt sind, können sie ihre Todten nicht auf die eben angeführteMeise dahin bringen. Sie haben daher die Gewohnheit, den Leich-nam in einiger Entfernung von der Hütte auf den Grasboden zulegen, und bloß mit Gesträuch und Steinen zu bedecken, bis er ver-fault, und nichts mehr, als das Gerippe, übrig ist, das sie danndem Pfarrer überbringen, damit es in geweihtem Boden beerdigtwird. Die, welche nicht so lange warten wollen, schneiden dem Ge-storbenen sogleich alles Fleisch von den Knochen, und bringen diesedann nach der Kirche. Gegen Abend hatten sich gewiß über 2.000Reiter versammelt und die ganze Ebene war mit kleinen Gruppenbedeckt, welche um ein Feuer hersaßcn, und ihr Mahl bereiteten.Das Ansehen Don Pablo's verschaffte mir einen Platz in der Pul-peria, welche zum Erdrücken voll war. Als ich dieselbe betrat, gingeben ein großes Glas mit Branntwein im Kreise herum, und wurdemir von dem Bestgeber augenblicklich zugebracht. Dann machte manmir, mit vieler Höflichkeit, Platz, ohne mich mit zudringlicher Neu»gierde zu belästigen. Als der Becher geleert war, ergriff einer derAnwesenden eine Guitarre, und begleitete sich zu dem Gesang« einesjener unbeschreiblich eintönigen und traurigen Lieder, die aus Peruherstammen, und deren Inhalt immer eine unglückliche Liebesgcschichteist. Nach Beendigung des Gesanges ging ein neuer Becher mitBranntwein im Kreise herum, und dann folgte wieder eines dieserkläglichen Lieder. Etwas später stimmte einer der Anwesenden denCielito, einen Natioualgesang, an, in welchem der Sänger, nacheiner gewissen Melodie, seine Gedanken improvisirt. Gewöhnlich istseine Geliebte, oder sein Pferd der Gegenstand seiner poetischen Er-gießung. Als ich die Pulperia verließ, beleuchtete der Mond bereitsdie Ebene, und warf sein magisches Licht auf die versammelte Menge,