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Wahn und Aberglaube, Mißgunst und Bosheit auf seiner Bahn zurUnsterblichkeit verfolgten, bis er sein lorbeergekröutes Haupt zurRuhe legte, war Johannes Kepler , das Prachtgestirn auf deut-schem Himmel....
Wenn Rudolf Gottschall singt: »Gekreuziget wird jeder Prophetauch noch am heutigen Tage,« so hat sich dieses alte Wahrwort auchan dem größten Astronomen Deutschlands bewährt, dessen Ehren-denkmal das lebende Geschlecht eben errichtet, während einst seine Zeit-genossen nur Dornen auf den Weg streuten, den der »große Johan-nes« in seinem Vaterlande wandelte ....
Gleichwie einst in den Tagen, welche wir jetzt das Christfestnennen, der leuchtende Stern über der Hütte des Heiles im kleinenBethlehem stand, so stieg auch über einem kleinen »Bethlehem «Deutschlands in den Tagen des Christfestes, als man schrieb dasJahr des Heiles 1571, ein Prachtgestirn Deutschlands empor, einPrachtgestirn, welches in jedem neuen Jahrhunderte herrlicher strahlt,weil die fortschreitende Bildung der deutschen Welt den Heros derWissenschaft, der aus diesem Bethlehem zuerst in's Leben trat, immermehr und mehr nach seinem unsterblichen Werthe zu würdigen versteht.
In der kleinen Stadt Weil im Würtembergischen erblickte Jo hannes Kepler , der größte Astronom Deutschlands , am 27. Decem-ber 1571 das Licht der Welt, und irrig war die lang gehegte Mei-nung, daß das Dörfchen Magstatt die Geburtsstätte des großen Wei-sen wäre.
Johannes Kepler kam als schwächliches Siebenmonatkind aufdiese Erde und Niemand hätte gedacht, daß das zarte Knäblein einhalbes Jahrhundert später als »Riese an Geist und Wissenschaft«diese Erde wieder verlassen werde. —■ Kepler s Vater, Heinrich, warein unbemittelter Gastwirth und der schwächliche Knabe sollte sichnach dem Wunsche seiner Eltern anfänglich der Landwirthschaft wid-men; aber kraftlos und untauglich zu diesem anstrengenden Geschäfte,machte er sich bald durch die Lebhaftigkeit seines Geistes bemerkbar