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Aber Steiermarks Boden war damals für Kunsterzeugnisse keinegünstige Stätte; die rothe Flamme des Religionshasses, welche inDeutschland so vielseitig wüthete, fuhr auch auf diesem Boden em-por, man verfolgte die Bekenner des Lutherthums mit maßloserStrenge und die traurige Folgt war, daß die geschicktesten Ar-beiter aus dem naturgesegneten Lande fortzogen. Keßler sandte daherseinen Plan zu dem erwähnten Kunstwerke nach Stuttgart — dortaber mißlang dessen Ausführung gänzlich. Nicht entmuthigt hievon,ließ der junge und beharrliche Meister der Sternkunde seine Zeichnungin Kupfer stechen, schickte sie seinem Landesherrn zu und erhielt vondiesem einen vergoldeten Becher aus Silber zum Geschenke. Es schien,daß der aufstrebende junge Adler also schon eine königliche Eiche imdeutschen Bardenhaine gefunden habe, woraus er künftig mit Sicher-heit horsten konnte . . . Weiter und weiter schreitend auf der Bahn derherrlichsten der Wissenschaften, ließ Johannes Keßler im Jahre 1596zu Tübingen seine Schrift über seine Entdeckung des Geheimnisses desWeltbaues erscheinen. Wohl glaubte er in derselben bewiesen zu ha-ben: die damals bekannte Zahl der Planeten sei eine nothwendige;dennoch war er später der Erste, welcher ahnte, daß sich in dem gro-ßen Raume zwischen Jupiter und Mars noch andere Planeten be-finden.
So stand denn schon damals jener erhabene Genius an der Seitedes jungen Meisters, von welchem er später oft zu sagen pfiegte: »daßdieser ihn auf seinem Lebensgange begleite und ihm die großen Wahr-heiten der Natur von ferne zulisple.«
Damit aber der aufstrebende Aar dennoch der Erde nicht ganzentfremdet werde, trat ihm nun der schönste Engel der Erde, dieLiebe, zum ersten Male auf seinen Lebenswegen entgegen. Er fandin dem adeligen Fräulein Barbara Müller von Mühlek aus einersehr begüterten Ritterfamilie Steiermarks , welche in einer Entfernungvon einer und drei Viertelstunden südlich von Graz ein spätermit der Herrschaft Liebenau vereinigtes Gut besaß, ein reiches Bräut-