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chen und glaubte nun unabhängig von seinen Studien leben zukönnen.
Allein wie sollte ihm dabei der Friede werden in einem Lande,welches damals eine traurige Stätte des religiösen Unfriedens war? . . .
Kepler war Protestant. Sein erhabenes Geistesdiplom als Ge-lehrter der edelsten der Wissenschaften rettete ihn vor den Verfolgun-gen seiner Glaubensgegner nicht, — er erhielt wie alle seine Glau-bensgenossen in der Steiermark den fürstlichen Befehl, die Stadt unddas Weichbild von Graz zu verlassen ....
Zwar hätten die freier denkenden steiermärkischen Landständeden großen Mann so gerne geschützt, aber es lag nicht in ihrer Machtgegen den höheren Befehl anzukämpfen; sie riechen also dem jungenMeister der Sternkunde, mit seinen übrigen Eollegen an die ungarischeoder croatische Gränze zu gehen; welchem Befehle er auch imJahre 1598 sofort nachkam.
Aber die Wissenschaft ist eine Macht — und diese Macht wareben der glänzende Schild, welcher den jungen Weisen dießmal nochschützte. Sein hoher Ruf als Gelehrter war bereits zu den Stufendes Thrones gedrungen; Kaiser Ferdinand I. und die Jesuiten , welchedamals die neugegründete Universität Graz mit ihren Ordensgliedernbesetzt hatten, achteten die astronomischen Erfindungen Kepler's undso kam es, daß ihm schon nach Verlaus eines Monates die Rückkehrin die schöne Stadt an der Mur wiedergestattet und — als ob einwahrer Gelehrter nicht immer bescheiden wäre — nur die Bedingung»eines bescheidenen Betragens« gestellt wurde ....
Der aufstrebende junge Gelehrte arbeitete nun fortan gar eifrigin seinem schönen Berufe und übergab den Jesuiten an der Universi-tät einen interessanten Aussatz über die im Jahre 1600 zu erwartendeSonnenfinsterniß mit der Bitte: ihm in seinem Bestreben nach ver-läßlichen astronomischen Erfahrungen beistehen zu wollen. Er stelltenun Untersuchungen an über die Natur des Lichtes und den Sinn des