!38
Preußen! würdig des Namens, — theilt Ihr diese Gefühls? —Auch Ihr hegt den Wunsch, vom fremden Druck Euch zu be-freien. Mit Rührung sehe ich die Beweise in dein Eifer, mitwelchem die Jünglinge aus allen Ständen zu den Waffen grei-sen und unter die Fahnen meines HeereS sich stellen, — in derBereitwilligkeit, mit der gereifte Männer, voll Verachtung derGefahr, sich zum Kriegsdienste erbieten, und in den Opfern, inwelchen alte Stände, Alter und Geschlechter wetteifern, ihreVaterlandsliebe an den Tag zu legen. Ein mit Muth erfülltesHeer steht mit siegreichen und mächtigen Bundesgenossen bereit,solche Anstrengungen zu unterstützen. Diese Krieger werden käm-pfen für unsere Unabhängigkeit und für die Ehre des Volkes.Gesichert aber werden beide nur werden, wenn jeder Sohn desVaterlandes diesen Kampf für Freiheit und Ehre theilt.
Preußen! zu diesem Zwecke ist es nothwendig, daß eineallgemeine Landwehr und Landsturm eingeleitet werde. Ich be-fehle hiermit die Erstere und werde den Letzten, anordnen lassen.Die Zeit erlaubt nicht mit meinen getreuen Ständen darüberin Beralhung zu treten. Aber die Anweisung zur Errichtungder Landwehr ist nach den Kräften der Provinzen entworfen.Die Regierungen werden selbige den Ständen mittheilen. Eileist nöthig, der gute Wille jedes Einzelnen kann sich hier zeigen.Mit Recht vertraue ich auf ihn. Mein treues Volk wird fürden letzten entscheidenden Kampf für Vaterland, Unabhängig-keit, Ehre und eigenen Heerd, Alles anwenden, den alten Na-men treu zu bewahren, den unsere Verfahren unS mit ihremBlute erkämpften. Meine Sache ist die Sache meines Volkesund aller Gutgesinnten in Europa-
Friedrich Wilhelm.
Nach Beendigung des ersten Kampfes erließ der König am3. Juni 1814 von Paris aus die Dankesworte:
An mein Volk!
Beendigt ist der Kampf, zu dem mein Volk mit mir zu den'Waffen griff; glücklich beendigt durch die Hülfe Gottes, durch un-serer Bundesgenossen getreuen Beistand, durch die Kraft, denMuth, die Ausdauer, die Entbehrung, die jeder, der Preußesich nennt, in diesem schweren Kampfe erwiesen hat. Nehmtmeinen Dank dafür. Groß sind Eure Anstrengungen, EureOpfer gewesen! Ich kenne und erkenne sie, und auch Gott, derüber uns wallet, hat sie erkannt. — Errungen haben wir, waswir erringen wollten. Mit Ruhm gekrönt steht Preußen vorMit- und Nachwelt da; selbststäudig durch bewiesene Kraft, be-währt im Glück und Unglück, Allesammt, Einer wie Alle, eiltetIhr zu den Waffen. Im ganzen Volke nur ein Gefühl! Soauch war der Kampf! Solchen Sinn, sprach ich damals, lohnetGott. Er wird ihn jetzt lohnen durch den Frieden» den er unsgab! Eine bessere Zeit wird wiederkehren durch diesen Frieden!Nicht für Fremde wird der Landmann mehr säen, er wird ernd-ten für sich! Handel, Kunstsieiß und Wissenschaft wird wiederaufleben, der Wohlstand aller Klassen wird sich wieder gründen,und in einer neuen Ordnung werden die Wunden heilen, dielanges Leiden Euch schlug.
Friedrich Wilhelm.