70
Zwar war die Hauptrichtung der preußischen Stel-lung auch abgesehen vom Thielemannschen Korps nicht so,sondern der Chaussee nach Brüssel mehr parallel als senk-recht auf dieselbe; aber Bonaparte sah eö nicht so und seinIrrthum ist sehr verzeihlich/ da bei den vielen einzelnenMassen der preußischen Brigaden eö sehr schwer sein mußtesich eine Idee von der Hauptrichtung des Ganzen zu ma-chen und sehr natürlich die Richtung von St. Amand aufLigny und die Richtung dieses letztem Dorfes selbst/ alsdie vordersten besetzten Punkte/ für die wahre Richtung desGanzen zu nehmen. Diese Aufstellung der preußischen Ar-mee setzte ihn in Verwunderung und er machte daraus denSchluß daß Blücher an diesem Tage noch nicht auf eineSchlacht gerechnet/ sondern daß er diese für die augenblick-lichen Verhältnisse wunderbare Stellung genommen habe inder Hoffnung bis zum andern Tage Zeit zu gewinnen unddann die englische Armee neben sich in die Linie einrückenzu sehen; daß er sie jetzt im Angesicht der französischen Ar-mee behielt schrieb Bonaparte theils dem kecken Wesen desalten Blücher zu der mit dieser Contenance imponiren wollte/theils seiner eigenen inoffensiven Aufstellung bei Fleurus woein Theil der Truppen ganz verdeckt stand.
Nun glaubte Bonaparte ziemlich sicher zu sein daßWellington nicht ankommen konnte und darüber konnte erallerdings bestimmtere Nachrichten haben als über Bülow;außerdem glaubte er durch die Auftrage die er Ney gege-ben dafür gesorgt zu haben. Eö kam ihm also Alles dar-auf an daß Ney/ da er es am 15. versäumt hatte/ am 16.so schnell als möglich bis L^uatrcbraö vordringen/ dadurchAlles was von Wellington kommen könnte zurückhalten/dann aber selbst noch 10/000 Mann auf der Chaussee vonOuatrebraö nach Namur zurück der preußischen Armee in