59
über die Moldau zu gehen, also der feindlichen Armee inden Rücken; allein da Friedrich der Große davon garnichts sagt, so kann man diese Maßregel, wenn sie wirk-lich eingeleitet war, nur als eine untergeordnete ansehen,auf welche man keinen so großen Accent legen kann.
Der König in seiner liistoire de la guerre desept ans ist sogar überrascht, nach der Schlacht denPrinz Carl mit drei Viertheil seiner Armee in Prag zufinden. Also noch einmal — was war die Ursach, denFeldmarschall Keith mit 32,000 Mann auf der andernSeite der Moldau zu lassen? Wenn wir ganz im Geistjener Zeit antworten wollen, so war es keine andere alsSachsen zu decken. Nämlich der König konnte vomSchlachtfelde aus, wenn er geschlagen wurde, sich bequemnach Brandeis und Jung-Bunzlau, also nach Schlesienund der Lausitz zurückziehen; aber es würde ihm schwergeworden sein, die Straße von Dreöden vor den Östrei-chern zu gewinnen, wenn diese von Prag aus darauf vor-gerückt waren. Auf dieser Straße hatte er nun einen Theilseiner Magazine und Etablissements, außerdem wollte undkonnte er Sachsen nicht aufgeben; es schien ihm also sonatürlich ein beträchtliches Corps auf der linken Seite derMoldau zu lassen, welches im Nothfall sich nach Sachsenzurückziehn und diese Provinz decken könnte, daß er es garnicht der Mühe werth hielt, den Grund davon anzugeben.Dazu kam, daß man in jener Zeit die Zahl in der Schlachtnicht für so wichtig hielt, wie jetzt und daß sie eö in derThat auch etwas weniger war.
Wenn diese Ansicht die richtige sein sollte und mankann es bei einem unbefangenen Blick kaum bezweifeln,so weicht allerdings dieser große kriegerische Akt in die-sem Punkt weit von dem Verfahren unserer Zeit ab.