Buch 
10 (1837) Strategische Beleuchtung mehrerer Feldzüge von Sobiesky, Münich, Friedrich dem Grossen und dem Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und andere historische Materialien zur Strategie : hinterlassene Werke / des Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
118
JPEG-Download
 

118

Lowofitz und Prag/ wie wenig die zusammenhängendeSchlachtordnung/ wo alles von dem mündlichen/ augen-blicklichen Commandowort abhängen soll und muß/ undwelche ursprünglich nur auf den schlichten parallelen An-griff in ebenen Gegenden berechnet war/ für künstlichereschiefe Angriffe in durchschnittenen Gegenden genügend sei.Des Königs ganzer linke Flügel/ namentlich seine zahlreicheKavallerie/ kamen gar nicht recht zur Schlacht; das heißt:ste wurden durch bloßes Kanonenfeuer geschlagen/ weil sieunter dem feindlichen Kartätschenfcuer durch die Defileenvor Kunerödorf gingen. Wenn ste nicht zufolge der zu-sammenhängenden Schlachtordnung/ sich auf diesem Punktbefunden hätten/ so würden sie gesucht habe«/ weiter linksdurch das Defilee zu gehen. In der Verzweiflung/ undim Grunde ohne die Hoffnung irgend eines Erfolges/ be-fiehlt der König den Angriff der Kavallerie. Auf demPunkt wo sie etwas hätte leisten können / befindet sichkein Mann.

Der ganze rechte Flügel der Russen/ oder vielmehrdie ganze rechte Hälfte ihrer Stellung ist weder angegrif-fen noch bedroht/ und da man nach grade des Königs Artkennen gelernt hat/ und weiß/ daß er immer mit einer zu-sammenhängenden Schlachtordnung angreift/ so kann manüber diesen rechten Flügel ruhig verfügen. Man kannwohl sagen: daß der König hier in die Schlinge seineseignen Systems der schiefen Schlachtordnung gefallen ist.

3. Gleichwohl tritt grade in dieser Schlacht derKönig zum Erstenmale mit einer getrennten Kolonne/ näm-lich dem Finkschen Corps auf; es gilt also/ was wir indem vorigen Paragraphen gesagt haben nur von seiner ei-genen Armee. Allerdings scheint das Finksche Corps hiernicht viel geleistet zu haben/ weniger als man hätte erwar-