Buch 
10 (1837) Strategische Beleuchtung mehrerer Feldzüge von Sobiesky, Münich, Friedrich dem Grossen und dem Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und andere historische Materialien zur Strategie : hinterlassene Werke / des Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
193
JPEG-Download
 

193

Gewiß sind diese Betrachtungen nicht ohne Realität,aber freilich auch nicht ohne Gegengewicht.

Die vereinigte Armee war circa 130/000 Mann stark/es war aber vorauszusehen, daß mancherlei Détachementszur Deckung ihrer Verbindungslinie sie schwächen würden,weil dies ein ununterbrochener Gebrauch der Östreicher war.Rechnet man indessen das Doppelte an Infanterie, wasder König hatte, so war am Ende nur die Frage, obein Bataillon in einer vortheilhaften Stellung und bei sehrstarken Verschanzungen nicht im Stande sein sollte, zweienzu widerstehen. Dies schien keine zu kühne Voraussetzung;bedenkt man dabei, daß der König ungewöhnlich stark anArtillerie war, nämlich sechstehalb Geschütz auf 1000Mann, und zwar größtentheils sehr schwere Kaliber, soerscheint das Mißverhältniß noch um Etwas verringert.Nun kommt die große Betrachtung, daß die Russennur eine Hülftarmee waren, von der die äußerste An-strengung sich nicht erwarten ließ, und daß selbst wennsie zu dieser entschlossen waren, der Oberbefehl nun zwi-schen zwei von einander unabhängigen Feldherrn getheiltblieb. Unter diesen Umständen schien ein gleich heftigerAnfall von allen Seiten nicht zu erwarten. Beide Ar-meen hatten sich ohnedies mit vieler Mühe erst vollkom-men vereinigt, es schien nicht wahrscheinlich, daß sie sichzum Behuf der Schlacht in dem Maaße wieder trennenwürden, daß die eine Armee ganz von der andern geschie-den und der König zwischen beiden war. Ohne eine solcheTrennung aber konnten sie seinen Rückzug nicht ernstlichbedrohen. Der König sah, ohne sich an das absolut Mög-liche zu kehren, die Dinge wie sie ihm wahrscheinlich waren.

Laudon betrachtete er als den Hauptfeind; die Frontseines Lagers, welche der Stellung desselben gegenüber lag,x 13