wollten nur Dresden festhalten, und der Grund dieserUnthatigkeit lag in der Zaghaftigkeit und Inertie, welchesie den ganzen Krieg über ausgezeichnet hat, und welcheeben so sehr vom Kabinet als von den Generalen ausging.In Schlesien sollten die entscheidenden Schläge geschehen,daher sollte in Sachsen nichts gewagt werden. Ob dieseUnfähigkeit der Gegner die Kühnheit des Prinzen Heinrichhinlänglich rechtfertigt, kann fast nur nach dem Erfolg be-urtheilt werden, da dies einer von den Fällen ist, wo diesubjektiven und moralischen Gründe so sehr das Überge-wicht über die objektiven und materiellen haben, daß mannur sagen kann, der Erfolg muß zeigen, ob der Takt desFeldherrn der richtige war. Vergessen muß man übrigensnicht, daß höchst wahrscheinlich dem Prinzen Heinrich dieHände gebunden waren, weil der König entschiedene Un-ternehmungen nicht mehr liebte.
In jedem Fall aber ist eine solche Art von Kühn-heit, wo man mehr mit dem Schein als mit der Wirk-lichkeit handelt, eine höchst gefährliche Bahn, die schlechter-dings nur in einem wohlgekannten und dazu geeignetenBoden gewählt werden darf.
Dem Prinzen Heinrich war eö an dieser Kühnheitnoch nicht genug. Den 21. Juni ließ er den GeneralSeidlitz mit etwa 8000 Mann gegen die Reichöarmee auf-brechen; diese wich bis über Hof nach Münchberg hin aus,und Seidlitz nahm eine Stellung bei Zwickau.
Eine Demonstration, die der Feldmarschall Serbelloniden 27. Juni gegen die Postirung des Prinzen Heinrichmachte, hatte in dieser Beziehung keinen Erfolg; vielmehrließ der Prinz zwei Mal, erst Anfangs, dann Mitte Juli,den General Kleist mit einigen tausend Mann über Ein-siede! nach Böhmen hinein streifen, wodurch Serbelloni