265
Verhältnissen eine ganz unbegreifliche Idee gewesen sein;aber eben, daß man sie fassen konnte, beweist die wunder-bare Verschlingung der dortigen Verhältnisse und erklärtsich außerdem noch dadurch, daß in jenem Zeitpunkt, dieim Haag befindlichen Generalsiaaten schon zu einer vermit-telnden Annäherung der beiden äußersten Parteien geneigtwaren. Die Reise hatte offenbar einen politischen Zweck,die Erbsiatthalterin wollte jene Stimmung der General-staaten benutzen um durch persönliche Einwirkung auf ein-zelne Mitglieder den Bund der Gegner noch mehr zu spren-gen und eine Ausgleichung zu versuchen. Die heftigen Pa-trioten hatten also ein starkes Interesse diese Reise zu ver-hindern und sie würde, wenn sie um Pässe nachgesuchthätte, diese niemals erhalten haben. Sie entschloß sich alsodie Reise auf gut Glück mit einer erkünstelten Unbefan-genheit zu unternehmen. Die Folge war, daß sie inSchoonhoven, wo sie den 28. Juni auf die Linie der pa-triotischen Truppen traf, von diesen angehalten und zurück-gewiesen, dabei einen Augenblick als Gefangene betrachtet,und wie sich das von einer feindselig gesinnten Bürger-miliz erwarten läßt, nicht immer mit der gehörigen Ach-tung behandelt wurde. Sie kehrte nach Nimwegen zurückund ein Courier eilte nach Berlin, die der Schwester desKönigs widerfahrne Beleidigung zu melden. Dieser ent-schloß sich auf der Stelle seine bisherigen Drohungen inöWerk zu richten, und schon nach acht Tagen, den 6. Juli,erhielten die zum Angriff bestimmten Truppen Befehl zumAufbruch.
Von nun an behandelte das preußische Kabinet seineRüstungen gegen Holland nur als Mittel, sich über dieeiner Prinzessin seines Hauses zugefügte persönliche Belei-digung Genugthuung zu verschaffen, und da diese Belei-