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22. Wie dies dem menschlichen Geiste im Allgemeinenam meisten zusagt.
Obgleich sich unser Verstand immer zur Klarheit undGewißheit hingedrängt fühlt/ so fühlt sich doch unser Geistoft von der Ungewißheit angezogen. Statt sich mit demVerstände auf dem engen Pfade philosophischer Untersuchungund logischer Schlußfolgen durchzuwinden/ um/ seiner selbstsich kaum bewußt/ in Räumen anzukommen wo er sichfremd fühlt/ und wo ihn alle bekannten Gegenstände zuverlassen scheinen; weilt er lieber mit der Einbildungskraftim Reiche der Zufälle und des Glücks. Statt jener dürf-tigen Nothwendigkeit schwelgt er hier im Reichthum vonMöglichkeiten; begeistert davon/ beflügelt sich der Muth/und so wird Wagniß und Gefahr das Element/ in wel-ches er sich wirst/ wie der muthige Schwimmer in denStrom.
Soll die Theorie ihn hier verlassen? sich in absolutenSchlüssen und Regeln selbstgefällig fortbewegen? dann istsie unnütz für's Leben. Die Theorie soll auch das Mensch-liche berücksichtige»/ auch dem Muthe/ der Kühnheit/ selbstder Verwegenheit soll' sie ihren Platz gönnen. Die Kriegs-kunst hat es mit lebendigen und mit moralischen Kräftenzu thu»/ daraus folgt/ daß sie nirgends das Absolute undGewisse erreichen kann; es bleibt also überall dem Unge-fähr ein Spielraum/ und zwar eben so-groß bei dem Größ-ten M bei dem Kleinsten. Wie dieses Ungefähr auf dereinen Seite steht/ muß Muth und Selbstvertrauen aufdie andere treten und die Lücke ausfüllen. So groß wiediese sind/ so groß darf der Spielraum für jenes werden.Muth und Selbstvertrauen sind also dem Kriege ganz we-sentliche Prinzipe; die Theorie soll folglich nur solcheGesetze aufstellen in welchen sich jene nothwendigen und