92
und doch ist es äußerst schwer/ dasjenige zu beschreiben/was diese Veränderung hervorbringt/ diesen unsichtbarenund überall wirksamen Faktor zu nennen.
Es ist Alles im Kriege sehr einfach/ aber das Ein-fachste ist schwierig. Diese Schwierigkeiten häufen, steh/und bringen eine Friktion hervor/ die sich Niemand richtigvorstellt/ der den Krieg nicht gesehen hat. Man denke sicheinen Reisenden/ der zwei Stationen am Ende seiner Ta-gereise/ noch gegen Abend zurück zu legen denkt/ vier bisfünf Stunde»/ mit Postpferden/ auf der Chaussee; es istNichts. Nun kömmt er auf der vorletzten Station an/findet keine/ oder schlechte Pferde/ dann eine bergige Ge-gend/ verdorbene Wege/ es wird finstere Nacht/ und erist froh, die nächste Station, nach vielen Mühseligkeiten, er-reicht zu haben und eine dürftige Unterkunft dort zufinden. So stimmt sich im Kriege, durch den Einfluß un-zähliger kleiner Umstände, die auf dem Papier nie gehörigin Betrachtung kommen können. Alles herab, und manbleibt weit hinter dem Ziel. Ein mächtiger eiserner Willeüberwindet diese Friktion, er zermalmt die Hindernisse, aberfreilich die Maschine mit. Wir werden noch oft auf dasResultat kommen. Wie ein Obelisk, auf den die Haupt-straßen eines Ortes zugeführt find, steht, in der Mitte derKriegskunst gebieterisch hervorragend, der feste Wille einesstolzen Geistes.
Friktion ist der einzige Begriff, welcher dem ziemlichallgemein entspricht, was den wirklichen Krieg von demauf dem Papier unterscheidet. Die militärische Maschine,die Armee, und Alles was dazu gehört, ist im Grunde sehreinfach, und scheint deswegen leicht zu handhaben. Aberman bedenke, daß kein Theil davon aus einem Stücke ist,daß Alles aus Individuen zusammengesetzt ist, deren jedes