Staatsleben vertraut sein, die eingewöhnten Richtungen, dieaufgeregten Interessen, die vorliegenden Fragen, die handeln-den Personen kennen und richtig ansehen; er braucht kein fei-ner Menfchenbcobachter, kein haarscharfer Zergliederet desmenschlichen Charakters zu fein, aber er muß den Charak-ter, die Denkungsart und Sitte, die eigenthümlichen Fehlerund Vorzüge derer kennen, denen er befehlen soll. Erbraucht Nichts von der Einrichtung eines Fuhrwerks, derAnspannung der Pferde eines Geschützes zu verstehen, aber ermuß den Marsch einer Kolonne, feiner Dauer nach, unterden verschiedenen Umstanden richtig zu schätzen wissen. Allediese Kenntnisse lassen steh nicht durch den Apparat wissen-schaftlicher Formeln und Maschinerien erzwingen, sondernsie erwerben stch nur, wenn in der Betrachtung der Dingeund im Leben ein treffendes Urtheil, wenn ein nach dieserAuffassung hingerichtetes Talent thätig ist.
Das einer hochgestellten kriegerischen Thätigkeit nö-thige Wissen zeichnet sich also dadurch aus, daß es in derBetrachtung, also im Studium und Nachdenken, nur durchein eigenthümliches Talent erworben werden kann, was,wie die Biene den Honig aus der Blume, als ein geisti-ger Instinkt, aus den Erscheinungen des Lebens nur denGeist zu ziehen versteht, und daß es neben Betrachtungund Studium auch durch das Leben zu erwerben ist. DasLeben mit seiner reichen Belehrung wird niemals einenNewton oder Euler hervorbringen, wohl aber den hö-her» Kalkül eines Condü oder Friedrich.
Es ist also nicht nöthig, daß man, um die GcisteS-würdc der kriegerischen Thätigkeit zu reiten, seine Zufluchtnehme zur Unwahrheit, und zu einfältiger Pedanterie. Eshat nie einen großen, ausgezeichneten Feldherrn beschränktenGeistes gegeben, aber sehr zahlreich sind die Fälle, wo