234
Als das Wesentlichste hierbei erscheint die Berech-nung von Raum und Zeit, und dies hat veranlaßt, daßman in der Strategie diesen Gegenstand als einen denganzen Gebrauch der Streitkräfte ziemlich umfassenden be-trachtet hat. Ja man ist so weit gegangen, in der Stra-tegie und Taktik großen Feldherrn ein eigcnds dafür ge-schaffenes inneres Organ beizulegen.
Aber diese Vergleichung von Raum und Zeit, wennsie auch überall zum Grunde liegt und gewissermaßen das täg-liche Brot der Strategie ist: ist doch weder das Schwie-rigste, noch das Entscheidende.
Wenn wir die Kriegsgeschichte mit unbefangenemBlick durchlaufen, so werden wir finden, daß die Falle,wo wirklich die Fehler in solcher Rechnung die Ursachebedeutender Verluste geworden wären, wenigstens in derStrategie höchst selten sind. Soll aber der Begriff einergeschickten Kombination von Raum und Zeit alle die Fällercprasentiren, wo ein entschlossener und thätiger Feldherrdurch schnelle Märsche mit ein und demselben Heer meh-rere seiner Gegner schlug (Friedrich der Große, Bonaparte):so verwirren wir uns unnützerweise in eine konventionelleSprache. Für die Klarheit und Fruchtbarkeit der Vor-stellungen ist es nöthig, die Dinge immer bei ihrem rech-ten Namen zu nennen.
Die richtige Beurtheilung ihrer Gegner (Daun,Schwarzenbcrg), die Wagniß, ihnen eine Zeit lang nurgeringe Streitkräfte gegenüber stehen zu lassen, die Ener-gie verstärkter Märsche, die Dreistigkeit schneller Anfälle,die erhöhete Thätigkeit, welche große Seelen im Augen-blick der Gefahr gewinnen: das sind die Gründe solcherSiege, — und was haben diese mit der Fähigkeit zu