333
Wer sich nie in einer großen Verlornen Schlacht be-funden hat/ wird Mühe haben/ sich eine lebendige/ und folg-lich eine ganz wahre Vorstellung davon zu machen/ unddie abstrakten Vorstellungen von diesem oder jenem kleinenVerlust werden den eigentlichen Begriff einer VerlornenSchlacht niemals ausfüllen. Verweilen wir einen Augen-blick bei dem Bilde.
Das Erste, was sich der Einbildungskraft, und mankann auch wohl sagen: des Verstandes, in einer unglück-lichen Schlacht bemächtigt, ist das Zusammenschmelzen derMassen, dann der Verlust des Bodens, welcher mehr oderweniger immer, und also auch bei dem Angreifenden ein-tritt, wenn er nicht glücklich ist; dann die zerstörte ur-sprüngliche Ordnung, das Durcheinandergerathen der Theile,die Gefahren des Rückzugs, die mit wenig Ausnahmenimmer bald schwächer bald stärker eintreten; nun der Rück-zug, der meist in der Nacht angetreten, oder wenigstens dieNacht hindurch fortgesetzt wird. Gleich bei diesem erstenMarsch müssen wir eine Menge von Ermatteten und Zer-streuten zurücklassen, oft gerade die Bravsten, die sich amweitesten vorgewagt, die am längsten ausgeharrt haben;das Gefühl besiegt zu fein, welches auf dem Schlachtfeldenur die höheren Offiziere ergriff, geht nun durch alle Klas-sen bis zum Gemeinen über, verstärkt durch den abscheu-lichen Eindruck, so viel brave Gefährten, die gerade in derSchlacht uns erst recht werth geworden sind, in FeindesHänden zurücklassen zu müssen, und verstärkt durch daserwachende Mißtrauen gegen die Führung, der mehr oderweniger jeder Untergebene die Schuld seiner vergeblich ge-machten Anstrengung beimißt. Und dieses Gefühl, besiegtzu fein, ist keine bloße Einbildung, über die man Herrwerden könnte; es ist die evidente Wahrheit, daß der Geg-