Band 
[Band 1.]
Seite
119
JPEG-Download
 

119

Die Nordarmee, gestützt auf die großen Gewässer, welche Hollands Grenze bil-den, schien ihren Feldzug beendigt zu haben. Die Generale derselben warender Ansicht, sie in Winterquartiere zu verlegen. Die üble Witterung, der un-gesunde Boden, auf welchem man kämpfte, vor allem aber der Mangel an Klei-dungsstücken, und die schlechte Verwaltung der Subsistenzmittel hatten bösartigeKrankheiten erzeugt, von deren Einfluß Niemand verschont blieb, so daß Ruhedringend nothwendig ward. Diesem Beschlusse standen folgende Betrachtungen ent-gegen: das Land, welches man vor sich hatte, war das reichste des Festlandes.Das Volk wünschte die Republikaner herbei. Die Provinzen jenseits der Assel hattendie Absicht an den Tag gelegt, mit dem Convent in Unterhandlung zu treten.Amsterdam war in Gährung und die holländischen Refugies beschworen die sieg-reiche Armee, einen Schritt weiter zu gehen, und die alte Freiheit herzustellen.Dacndels, der thätigste derselben, brachte es dahin, daß der Befehl zum Angriffertheilt wurde. Um den Waal zu dominiren, mußte man sich der Insel Bommelbemächtigen. Man beschloß einen Versuch zu wagen. Auf Kokerdum ward eineDemonstration gemacht, den Waal überschritten und der jenseitige Feind ausein-ander gesprengt; alle diese Demonstrationen machten keine Wirkung auf die Stel-lung des Feindes und die Hauptoperation mißlang.

Schon war man französischer Seits entschlossen, die Feindseligkeiten auf daskünftige Frühjahr zu verschieben, als der strenge Winter von 1794 begann undden Republikanern auf unerwartete Weise Hülfe leistete. Alle Hindernisse,welche Holland vertheidigen, verschwanden, und die Verbündeten, geschreckt durchdieses Naturereigniß, fanden kein Mittel dagegen.

Die ganze Maas wird von den Republikanern besetzt. Man dringt über St.Andris, Empel und Crevecoeur in die Insel Bommel ein. Der Feind zieht sichnach Gorcum und Buuren zurück; man folgt ihm über den Waal; allein dasEis ist nicht dick genug für den Transport der Artillerie, die auf das rechteUfer vorgeschobene Vorhut weicht zurück. Inzwischen gelingt es einer Brigade,die Insel nach ihrer ganzen Länge zu hinterlegen; sie bemächtigt sich derselben,und fällt über Terheidcn die Linien von Breda im Rücken an, während sie in derFront von Oudenbosch aus angegriffen werden. Es gelingt, sie zu durchbrechen,und die Feinde nach Gertruidenburg und Willemstad zu werfen. An demselbenTage öffnet Grave, das seit 2 Monaten blokirt ist, seine Thore.

Walmoden hatte bereits den Rückzug angetreten. Zurückgerufen durch die Hol-länder, nahm er an der Linge Stellung, deren Vertheidigung er versuchte. Einkaiserliches Verstärkungscorps unterstützte ihn, indem es sich an dem Canal vonPancrden aufstellte. Allein die Nordarmce ward gleichfalls durch 2 Divisionen,welche Jourdan hcrbcischickte, verstärkt, und die zunehmende Kälte setzte sie inden Stand, einen allgemeinen Angriff zu unternehmen. Zuvörderst drang in derMitte eine Abtheilung gegen Thiel vor, worauf die ganze Linie sich hinter denLeck zurückzog. Es gelang Walmoden, sie wieder vorzuführen, aber allenthalbenstieß er auf Pichegru's Colonnen, welche den Waal bei Parden, Thiel und Ko-kerdum überschritten hatten. Diese letztere Bewegung hatte die Trennung der

17