Band 
[Band 1.]
Seite
341
JPEG-Download
 

341

und Schweden, und auch Rußland versprach Hülfe. 240,000 Mann wurden unterdie Waffen gerufen und aus denselben die Besatzungen der festen Plätze und dreiactive Armeen gebildet. Die Armee des rechten Flügels (54,000 Mann) unterBlücher und Rüchel formirte sich an der untern Weser. Die königliche Armeeoder die der Mitte (70,000 Mann) unter dem Herzog von Braunschweig beiMagdeburg. Die linke Flügel - oder die schlesische Armee (55,000 Mann) unterdem Fürsten von Hohenlohe in Sachsen. Ueberdieß organisirte Herzog Eugen vonWürtemberg in der Umgegend von Berlin eine Reserve und Kaiser Alexanderconzentrirte seine in Polen und Lithauen cantonirenden Truppen am Narew.

Zum ersten Male eröffnete sich der nördliche Kriegsschauplatz und es galt, diefranzösische Armee aus dem Gebiete des Rheins in dasjenige des baltischen Meereszu versetzen.

Im Augenblicke der Schilderhebung Preußens stand die französisch - italienischeArmee in dem Gebiete von Mailand, Venedig und Neapel. Das zweite Corpshatte Besitz genommen von Jstrien und Dalmatien, wo die Russen und Mon-tenegriner denselben noch einige Punkte streitig machten. Der Rest der großenArmee befand sich auf folgenden Punkten:

Das erste Corps: Bernadotte (23,000 Mann) in Anspach und Baireuth;das dritte Corps: Davoust (35,000 Mann), bei Oettingen. Das vierte Corps:Soult (41,000Mann), bei Passau und am Jnn. Das fünfte Corps: Lannes( 22,000 Mann) bei Bischofshcim. Das sechste Corps: Ney (33,000 Mann)bei Memmingen. Das siebente Corps: Augereau (20,000 Mann) bei Darm-stadt. Die Garde, die Reserve-Reiterei und das achte Corps waren nach Frank-reich zurückgekehrt.

Bei dem ersten Anschein der Feindseligkeiten ertheilte Napoleon seinen Mar-schällen Befehl, sich dem Main zu nähern. Die Reserve setzte sich nach Mainzin Marsch; er selbst nahm sein Hauptquartier in Würzburg.

In den ersten Tagen des Monats October bedeckten die französischen Massendie gekrümmte Linie, welche der Rhein und Main von der Lahnmündung bis nachBaireuth bilden. Indem er diese Linie zur Basis und Berlin zum Objekte nahm,hatte er die Wahl zwischen mehreren Straßen: nämlich die große Communikationvon Frankfurt, ferner die Straßen, welche von Würzburg und Bamberg aus-gehen und sich mit der ersten bei Erfurt kreuzen; endlich die Straße von Bam-berg und Baireuth über Leipzig und Wittenberg.

Gleichwie im vorigen Feldzuge, imponirte er auch dießmal durch seine Demon-strationen den feindlichen Generalen und wußte ihnen seinen wahren Angriffspunktzu verbergen. Augereau manövrirte zwischen der Lahn, der Sieg und dem Main.Lannes und Bernadotte überschritten den Main bei Schweinfurt und Bambergund zeigten sich jenseits Königshöfen und Coburg. Diese Bewegungen schienenauf die Bcrennung von Erfurt zu deuten. Sie brachten den Herzog von Brann-schweig auf die Meinung, Napoleon beabsichtige, seine schöne Infanterie im Thü-ringerwalde zu deployiren, um hiedurch die überlegene preußische Reiterei zu para-lysiren. Durchdrungen von dieser Idee, berief der Obergcneral das Corps des