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der Vorwarf der Unthätigkeit trifft, würde nicht ohne sehr nachtheilige Folgenfür die Besiegten geblieben seyn. Hätte Wittgen stein den glücklichen Angriff sei-ner Reiterei unterstützt und benützt, so wäre der Ausgang der Schlacht vielleichtein ganz anderer gewesen. Daß er es nicht that, rechtfertigte und bcstättigte dieVermuthung St. Cyrs: der Angriff sey nicht auf Befehl des Feldherrn erfolgt,sondern nur ein verwegener Ausfall der russischen Garde-Regimenter gewesen.
St. Cyr stellte seine Truppen Abends 10 Uhr, nachdem die Schlacht geendet,auf dem Schlachtfclde auf und machte nunmehr Entsendungen auf den von demFeinde eingeschlagenen Wegen.
Seine Infanterie war so sehr erschöpft, daß sie im vollen Sinn des Wortesnicht einen Schritt weiter thun konnte. Wittgenstein ging bis hinter die Drissazurück und ließ bloß eine Nachhut von 2 Infanterie-Regimenter, 8 Schwadro-nen, 1 Kosacken-Regiment nebst 6 Geschützen bei Bielve stehen. Eine gegendasselbe abgesendete baier'sche Brigade hatte am 22ten und 23ten sehr ernsthafteGefechte, wobei ihr Führer Siebein blieb, und in dessen Folge sie wieder in dieStellung von Polotzk zurückgezogen wurde, von Wittgcnsteins Vorhut gefolgt.
Der Sieg von Polotzk war von großen Folgen für den Kaiser Napoleon,weil er Wittgenstein hinderte, sich auf seine weit ausgedehnte Verbindungsliniezu werfen. General St. Cyr, der dem General Wrede und den Baicrn vieldabei verdankte, ward für diesen Sieg mit dem Marschallsstabe belohnt. — Derfranzösische und baier'sche Verlust wurde am 18ten August auf 2500 Mann, derrussische auf 4000 Mann an Todten und Verwundeten angegeben. Die Russenverloren überdieß 1200 Gefangene und 14 Geschütze.
Nach den blutigen Auftritten, die wir eben erzählt haben, ruhten, kleineVorpostengefechte abgerechnet, an den Ufern der Düna die Waffen bis zur MitteOktobers. Wittgenstein, durch jene Kämpfe wahrhaft geschreckt und seinen Gegnerviel stärker glaubend, als er war, beschränkte sich, mit seiner Hauptmacht hinterder Drissa aufgestellt, auf Beobachtungen. Sein Heer wurde unterdeß verstärktund war gegen die Mitte Oktobers wieder auf mindestens 40,000 Mann ange-wachsen. Marschall St. Cyr benützte seinerseits die Unthätigkeit der Russen, umPolotzk und sein Lager mehr und mehr zu befestigen. Die Stadt selbst ward mitPallisaden umgeben; mehrere Redouten lagen vor derselben und längs dem rechtenPalota-Ufer, so wie zwischen dem linken und der Düna. Ein Brückenkopfwurde oberhalb Polotzk, bei Strudnia, angelegt und die Stadt Disna, unter-halb Polotzk, auf dem linken Ufer der Düna, am Ausflüsse der Disnain dieselbe, verschanzt und durch den baicr'schen General Ströhl besetzt.Aber die'Verluste, welche das 2te und 6te Armeekorps durch den Einfluß dessumpfigen Bodens, durch Mangel an guten Nahrungsmitteln und Arzneien,durch den ermüdenden Vorpostendienst, durch Schanzarbeiten und die weitenAussendungen nach Vorrathsmitteln, erlitt, wurde nicht hinreichend ersetztdurch die einzeln eintreffenden Verstärkungen und den Zuzug Wiedergenesender.Besonders verminderte sich die Zahl der Baiern ganz ausserordentlich.