Band 
[Band 2.]
Seite
774
JPEG-Download
 

774

Möglichkeit. Er beschloß deßhalb den Hauptangriff aus dem Lette-Thal erfolgen .zu lassen, und Ncy ward mit der Führung desselben beauftragt, unter dem Be-deuten: daß Viktor und Mortier mit der Division Charpcntier und Grouchi'sReiterei in der Front, Nansouty mit 18 Schwadronen vom Foulon-Thal aussein Beginnen unterstützen würden.

Doch noch waren Viktors und Mortiers Truppen, die von Soissons herbei-eilten, 2 Marschstunden ferne, und behauptet wird: Napoleon habe beigefügt,daß Ney das Eintreffen derselben abwarten solle, wahrend er selbst, der Kaiser,die Schlacht einstweilen mit 60 Kanonen aus dem Vorplateau von Craonne zu er-öffnen gedachte, um die Aufmerksamkeit des Gegners zuvörderst dahin zu lenken.Ob sich nun Napoleon nicht bestimmt genug ausgedrückt, oder ob Ney sich vonzu großem Eifer hinreißen ließ, es geschah, daß, so wie die ersten Kanonen-schüsse fielen, Ncy aus seinen Bivouacs aufbrach und in mehreren Colonnen aufdas Dorf Ailles vorrückte, und hier die Hauptaktion einseitig begann. Eine Co-lonne rechts (L.), geführt von General Boyer, überschritt bei Tuilerie die Lette;

2 andere, aus der Division der jungen Garde Meunier und Curial gebildet (cc.),zogen sich am Bergabhang hinauf, den Russen in die Flanken zu fallen.

Ihr Marsch war anfänglich durch das Terrain ziemlich gedeckt; aber als siedie Höhe erstiegen, blitzte es von allen Seiten, und ein wohlgeordnetes Ge-schütz- und Musketcnfeuer schlug den Franzosen entgegen. Die Rüsten standenmit Macht gegenüber, und Woronzow mehrte die angegriffenen Colonnen.

Als Napoleon hiemit das Treffen in übereilter Weise eröffnet sah, erkannteer für nöthig den Angriff schleunigst zu unterstützen. Eben traf Viktor im Galoppbei Vaucler ein, nnd Napoleon gab ihm Befehl, sich mit der Division Boyer deRebeval aufs Schlachtfeld zu verfügen, gegen Heurtebise vorzudringen und vonda aus Ncy zu unterstützen.

Die Ordre wurde vollzogen. Viktor, einen im Meyerhof befindlichen russi-schen Wachtposten überwältigend und drängend, führte seine Divisionen auf dieHöhe des Wäldchens bei DD. und suchte sie hinter einer verfallenen Schanze vordem schon eröffneten Kreuzfeuer der russischen Batterien möglichst zu decken. Aberdieß anordnend wurde er von einer Kugel getroffen, und vermochte nur noch dieBataillone zu ermähnen, ihre Posten zu behaupten. Bestürzt luden die jungenSoldaten ihre Musketen; Viktor wurde aus dem Treffen getragen.

Blücher hatte die Absicht gehabt, die Schlacht bei Craonne persönlich zu über-wachen, und erwartete mit Sehnsucht die Anzeige, daß Winzigerode bei Fetieureingetroffen und den Angriff auf die äußerste Rechte der französischen Armee unter-nommen habe. Aber um 8 Uhr Morgens erhielt er die Nachricht, daß Winzigerodein der Nacht auf Abwege gerathen, und daß er noch weit von seinem Bestim-mungsorte entfernt sey. Der Feldmarschall darob höchlich beunruhigt, gab demGeneral Kleist Befehl, sogleich mit seiner Infanterie auf andern Wegen nachFetieur zu eilen, übertrug Sacken den Oberbefehl über sämmtliche auf dem Pla-teau operircnden Truppen und setzte sich in Galopp, Winzigerode nachjagend

«