Band 
[Band 2.]
Seite
797
JPEG-Download
 

797

Während also vor Arcks gekämpst wurde, war der Kronprinz von Württem-berg beinahe bis Plancy gekommen. Die offene und ebene Gegend hatte denMarsch in breiten Colonnen erlaubt; sein Corps rückte auf der Straße vonTroyes über Pont-Saint-Hubert und über die flachen Höhen von Les-Grandes-Chapelles und Premierfaits gegen Plancy vor. Die Gesammtreiterei, wobei sichder Feldherr in Person befand, machte den Vortrab, und zwar bildete die Reitereides 6. Armeekorps unter Pahlens Befehl den rechten Flügel, die württembergi-schen leichten Reiterregimenter Nr. 2, 3, 4 unter Prinz Adam von Württemberg,so wie die österreichische Kürassierdivision unter Graf Nostiz die Mitte und denlinken Flügel.

Nachmittags 5 Uhr war's, da stießen die leichten Reiterregimenter 2, 3 und4 des 4. Armeekorps zwischen Premierfaits und Reges auf ein Corps Grena-diere und Jäger, nekst einer Abtheilung Mameluken, dieselben, welche aus Miß-verständniß in Mcry zurückgeblieben und nun im Begriff waren, dießseits desFlusses nach Arcis zu marschiren. Sie hatten den Pontontrain mit sich, densie Tags vorher gewonnen.

Sobald der Kronprinz sie gewahrte, ließ er das Jägerregiment 2 unter desCavalerie-Obersten Bismark Anführung die Rechte des Feindes angreifen,während die Reiterei die linke Flanke und Front chargirte. Der Feind über-rascht wurde vollkommen geworfen und auf seiner Flucht lebhaft verfolgt. Undwahrscheinlich wäre es gelungen, die beiden feindlichen Kavalcrieregimentergänzlich aufzureiben, wenn nicht in Mery, wohin sie entwichen, bereits einCorps Infanterie von Macdonalds Vorhut zu ihrer Aufnahme bereit gewesenwäre. Gleichwohl wurden über 100 Mann zusammen gehauen, und ein Oberst,12 Offiziere und 300 Mann gefangen genommen. Auch die Brückencquipagekam wieder den früheren Eigenthümern zu Handen. Der Verlust Württembergsbestand nur ans 2 Offizieren, 13 Mann und 32 Pferden. Der Kronprinz ließsein Corps bei Grandes-Chapelles und Premierfaits lagern und die leichte Rei-terei die Strecke zwischen Reges und Mcry beobachten.

Wrede hatte vor Grand-Torcy 48 Offiziere und 800 Mann verloren undzog sich um Mitternacht bis nach Chaudray zurück. Napoleon konnte das Re-sultat dieses Tages im Allgemeinen noch zu seinem Vortheil auslegen, dochwar der Verlust, den auch er erlitten, so bedeutend, daß das Schlachtkorps,das er für den folgenden Tag zu verwenden hatte, nur 20,000 Krieger zählte.Wiederholt hatte er an Macdonald in Plancy den Befehl gesandt, so schnell wiemöglich nach Arcis zu kommen; aber noch waren dessen Colonnen (16,000 M.)weit zurück und keine Möglichkeit, sie vor 24 Stunden zu des Kaisers Verfü-gung zu stellen. Mit Sehnsucht harrte dieser von Stunde zu Stunde der An-kunft seiner sämmtlichen Truppen; er bedurfte ihrer nothwendig, um der feind-lichen Uebermacht, die vor ihm stand, nur einigermaßen die Wage zu halten;aber auch Schwarzenberg, der die Schlacht auf einer ganz andern Stelle einge-leitet sah, als er vermuthet, traf bereits Anstalt, sich der Mithilfe der 3 Armee-korps, die noch auswärts standen, zu versichern. Man konnte also den been-