10) Auf der Linie von Sombref und Balatre beginnt das Gefecht gegen6 Uhr. Hauptsächlich, und mit abwechselndem Glücke wird um den Besitz derDörfer Tongrines und Boigne gekämpft. Zur Unterstützung von Tongrines, wodie 10. Brigade steht, sendet Oberst Luck 1 Bataillon QR) mehr links Q/). AuchGeneral Tielemann schickt 1 Bataillon (z) nach Tongrines.
Als zwischen 7 und 8 Uhr dieser General zu bemerken glaubt, daß das Gefechtbei Ligny sich zum Vortheil der Preußen wende, beschließt er, die rechte Flankeder Franzosen anzufallen; er ertheilt daher seiner Reiterei Befehl zum Vorrücken;5 reitende Geschütze fahren theils auf der Straße, theils rechts derselben auf OaA)und eröffneten ihr Feuer auf die feindliche Artillerie («/)); 2 Schwadronen blei-ben dießscits der Brücke («O, 3 in Reserve («D). Die französische Reitereiwirft sich auf diese Truppen, nimmt einen Theil der Geschütze und verfolgt dieBedeckungömannschaft auf der Straße gegen Point-du-jour.
11) General Borke stellt 2 Bataillone («£) hinter den Hecken und Mauernam Chaussee-Graben aus, von wo diese die linke Flanke der Franzosen beschießen;ein drittes Bataillon rückt nach («/'') und geht später bis auf die Chaussee vor;ein viertes Bataillon («G) rückt in das Dorf; 3 Bataillone bleiben hinter dem-selben in Reserve. Oberst Luk ist unterdessen bis jenseits Tongrines (al) vorgerückt,2 Batterien marschiren links von ihm auf und beschießen die auf der Straße vor-dringenden Franzosen lebhaft. Vor der zwölften Brigade sind 3 Bataillone überSombref {An, Carton) hinausgerückt; 2 Bataillone {Ab) entwickeln sich rechts vondenselben; 4 Schwadronen, nebst 2 Geschützen decken ihre rechte Flanke. 4 Batail-lone stehen (Ac) hinter der Mitte.
12) Um diese Zeit ist Napoleon mit seiner Garde bei Ligny angekommen und setzt8 Bataillone derselben nebst einem großen Theil der Reiterei durch das Dorf (Ad)in Bewegung; die Reiterei wendet sich links, die Infanterie rechts. Eine zahlreicheArtillerie begünstigt ihren Angriff. Zwar suchen 3 preußische Reiter-Regimenter (Ae),an deren Spitze sich der Feldmarschall Fürst Blücher selbst gesetzt, denselben aufzu-halten, allein sie werden geworfen und müssen das Feld räumen*); 1 preußischesReserve-Bataillon {A), daö noch immer hinter Bry steht, rückt vor und hält diefranzösische Reiterei einige Zeit anf, während die 2 Bataillone (As) bei Mont-Potriaur den feindlichen Tirailleuren den kräftigsten Widerstand leisten, bis endlichpreußischer Seits Nachts um 9 Uhr der Rückzug über Tilly nach Wavre ange-treten wird.
*) Grollmann erzählt I. Seite 168-1(59: Fürst Blücher, seinem Charakter getreu, sich fürnicht besiegt zu halten, so lange man noch den Degen in der Hand den Kampf fortzuführenim Stande ist, befand sich noch mitten in dem Handgemenge. Ein Cavalerieangriff, an reffenSpitze er sich befand, war mislungen. Als die feindliche Reiterei schnell verfolgte, durch-bohrte ein Schuß das Pferd des Feldmarschalls. Der Schuß hemmte jedoch nicht des PferdesLauf. Der Schmerz lrieb es vielmehr zu immer heftigeren konvulsiven Sprüngen, bis es plötz-lich im vollen Rennen todt zu Boten stürzte. Der Feldmarschall lag in einer Biegung desTerrains in der Richtung gegen Bry. vom gewaltsamen Sturze ganz betäubt unter demtodten Pferde. Die feindlichen Kürassiere jagten in der Verfolgung heran; unsere letzten Rei-ter waren schon beim Feldmarschall vorüber; nur sein Adjutant, der Major Graf Nvsiitz, warnoch bei ihm. Die Nvih war groß; doch die Vorsehung wachte über dem Geschicke des Feld-herrn. — Die Feinde jagten in wilder Eile vorüber, ohne den Feldmarschall zu bemerkenund eben so jagten sie noch einmal bei ihm vorüber, als die preußische Reiterei sie wieder zu-rückwarf. Jetzt erst brachte man den Felkmarschall unter dem todten Pferde hervor, wo erdann das eines Unteroffiziers vom 6. Ulaneu-Regiment besiieg, der von seinem treuen Be-gleiter herbeigeholt worden war.
Dieser Augenblick der Gefahr ist gewiß einer der wichtigsten im ganzen Feldzuge und inkeinem Momente stand das größte Glück dem größten Unglücke so nahe. Man denke sich denruhmvollen Helden Blücher in den Händen Napoleon's. Welchen Eindruck mußte dies auf diemoralische Stimmung des Feindes, so wie auf die Stimmung des eigenen Heeres und aufdie Gemüther aller verbündeten Völker machen!