II
den wüthenden Haufen, der sich ihr auf der Brückeentgegen wälzte, nicht durchbrechen, und schien nichtBefehl zu haben, Gewalt zu brauchen. Ein an-drer Schwärm hatte es indeß gewagt, die Fensterdes königlichen Gebäudes, des Brühlischen Schlos-ses, wo der französische Oberbefehlshaber wohnte,einzuwerfen, und zog lärmend umher, bis Reiter-wachen und Fußvolk die Zugänge der Straßebesetzten. Ruhiger blieb es in der Neustadt, wodie französischen Truppen in den Straßen fort-dauernd unter dem Gewehre standen. Der Lärmdes Aufruhrs schallte laut zu ihnen herüber, bisgegen zehn Uhr endlich Alles, ohne weitere Ge-waltthätigkeit, auseinander ging. Während derganzen Nacht zogen starke Streifwachen der Be-satzung und der reitenden Bürgergarde durch dieStadt und in der Neustadt blieb ein großer Theilder Besatzung in den Straßen gelagert.
Der französische Befehlshaber beobachtete beidiesem Vorfalle, ohne seiner Würde etwas zu ver-geben, eine kluge Schonung und Mäßigung. Wäh-rend des ganzen Lärms ward kaum ein Säbelentblößt und kein Gewehr abgefeuert, so sehr auchdie Anwendung kriegerischer Strenge oft gleichsamherausgefodert wurde. Dem Feldherrn wurde da-gegen die Genugthuung, daß vesonders auch die,unter ihm gestandenen, sächsischen Krieger überdie Ausschweifungen des Pöbels empört waren,und selbst gemeine Soldaten äußerten, daß ersolche Beleidigungen um die Sachsen nicht verdient